Ziel 2000-Watt-Gesellschaft: Wir müssen viel mehr Energie sparen

Das Projekt der 2000-Watt-Gesellschaft setzt sich ein ambitioniertes Ziel. Bis zum Jahr 2150 soll der durchschnittliche Energieverbrauch eines jeden Schweizers nur noch 2000 Watt betragen. Der derzeitige Energieverbrauch pro Kopf liegt bei rund 6000 Watt und steigt weiter an, wie aktuelle Untersuchungen zeigen. Dominic Notter, Forscher an der EMPA, erklärt die Vision und wie sie trotzdem noch erreicht werden kann.

2000-Watt-Gesellschaft: Wir verbrauchen mehr Energie als angenommen
Wenn wir die 2000-Watt-Gesellschaft umsetzen wollen, müssen wir energieffizienter werden Foto: © Hemera / Thinkstock
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2000-Watt-Gesellschaft: Ernüchternde Ergebnisse

Die Forscher betrachteten für ihre aktuelle Studie den individuellen Energieverbrauch von 3.369 Haushalten. Und die Bilanz war ernüchternd: Kein einziger erfüllte die zwei Bedingungen der 2000-Watt-Gesellschaft, die sich aus einem Energieverbrauch von höchstens 2000 Watt sowie eines maximalen CO2-Ausstosses von 1 Tonne pro Person und Jahr zusammensetzt. Aber woran liegt es, dass seit der Festlegung der Vision vor 15 Jahren eher Rück- statt Fortschritte zu verzeichnen sind? «Es gibt viele Ursachen, man kann nicht einfach die 2000-Watt-Gesellschaft oder das Individuum anprangern», meint Dominic Notter. Die Gründe dafür sind also vielfältig. Dabei sei das gesteckte Ziel aber auch kein einfach zu erreichendes. «Grundsätzlich kann man sagen, dass die Anforderungen einfach unglaublich hoch sind.»

Als das Projekt ins Leben gerufen wurde, hatte man genaue Vorstellungen wie dieses Ziel zu erreichen ist: Neue Technologien würden dazu beitragen Gebäude und Maschinen energieeffizient zu optimieren und fossile Energien sollten durch erneuerbare ersetzt werden. Denn die meiste Energie verbrauchen wir in den Bereichen Wohnen und Mobilität und gerade in Letzterem gibt es grosses Einsparungspotenzial, sagt Notter: «Wenn möglich sollten wir auf das Auto und Motorrad verzichten und die öffentlichen Verkehrsmittel oder das Velo benützen. Wenn Auto gefahren wird, am besten mit kleinen Autos, mit geringem Verbrauch. Je kleiner, desto besser. Vielleicht kann man auch auf Hybrid- und Elektro-Autos umstellen. Gerade im Stadtverkehr sind sie perfekt und eine wirklich gute Lösung».

Wenn die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft bis 2150 erreicht werden sollen, sind ein gesellschaftliches Umdenken sowie Verhaltensänderungen notwendig. Diese sollen aber laut Projektverantwortlichen nicht den westlichen Lebensstandard beeinflussen. «Hier ist die Frage, was ist Lebensstandard und was ist Lebensqualität», sagt Dominic Notter und fügt hinzu: «Lebensstandard kann man womöglich von Energieverbrauch und CO2-Produktion entkoppeln». Im Grunde geht es also darum Lebensstandard und Luxus neu zu definieren.

CO2-Ausstoss: Eine Tonne pro Kopf für den Klimaschutz

Neben der Reduktion des Energieverbrauchs auf 2000 Watt hat das Projekt aber noch ein weiteres Ziel definiert. Bis 2150 soll der jährliche CO2-Ausstoss auf eine Tonne pro Person reduziert werden, da dieser massgeblich für die Erderwärmung und den Klimawandel verantwortlich ist. Eine Vorgabe, die sehr ambitioniert scheint, da die Emission derzeit bei 6,7 Tonnen pro Schweizer liegt. «Die 2000 Watt wären noch zu erreichen, aber die eine Tonne CO2 ist sehr anspruchsvoll. Man muss bedenken, dass man diese Tonne bei heutiger durchschnittlicher Nahrungsmittelproduktion bereits erreicht, wenn man zwei bis dreimal pro Woche Fleisch isst», erklärt Dominic Notter.

Angesichts der Entwicklungen seit Bestand der 2000-Watt-Gesellschaft und der neuesten Zahlen, bestätigen auch die Forscher, dass der Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft nur noch mit «grösstmöglicher Anstrengung» zu schaffen ist. «Jeder Einzelne kann für sich jederzeit die 2000 Watt schaffen. Damit es die angestrebte 2000-Watt-Gesellschaft wird, muss dies aber der überwiegende Teil der Schweizer machen. Es braucht viele gute Ideen und innovative Leute und es muss an allen Ecken und Enden optimiert und gespart werden», bestätigt Dominic Notter. Jeder ist also gefordert.

Für einen gesellschaftlichen Umschwung und mehr Energieeffizienz braucht es somit weit mehr als das Engagement einzelner Akteure. Nur dann sind die Ziele der 2000-Watt- und 1-Tonne-CO2-Gesellschaft bis 2150 aus heutiger Sicht noch realisierbar.

Globale Gerechtigkeit und Umverteilung

Der durchschnittliche globale Energieverbrauch liegt bereits bei 2000 Watt pro Kopf. Allerdings auf Kosten der Entwicklungsländer, denn in den Industrieländern ist der Energieverbrauch um ein Vielfaches höher und liegt in der Schweiz beispielsweise bei rund 6000 Watt pro Person. Die Zielsetzung der 2000-Watt-Gesellschaft lautet also nicht nur Energieeffizienz, sondern auch globale Gerechtigkeit und eine Umverteilung der Ressourcen.

Zur Person

Dr. Dominic Notter arbeitet für die die interdisziplinären Forschungs- und Dienstleistungsinstitution EMPA. Die EMPA ist dem ETH-Bereich zugehörig und verbindet anwendungsorientierte Forschung mit praktischer Umsetzung. Dominic Notter ist Mitautor der Studie «The Western Lifestyle and Its Long Way to Sustainability» (2013).

 

Quellen: 2000watt.ch, empa.ch, Interview mit Dominic Notter; Interview und Text: Nina Grünberger

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