«Effizient zu arbeiten ist das Wichtigste für mehr Klimaschutz»

Die Post versendet Briefe klimaneutral und bezieht ihren gesamten Strom von erneuerbaren Energien aus der Schweiz. Wie sie das schafft und warum auch smarte Lösungen bei der Digitalisierung ihre nachhaltige Entwicklung vorantreiben, erklärt im Interview Anne Wolf, Leiterin Corporate Responsibility.

«Effizient zu arbeiten ist das Wichtigste für mehr Klimaschutz»
Anne Wolf, Leiterin Corporate Responsibility bei der Post. Foto: zVg
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Frau Wolf, seit 2012 versendet die Post ohne Aufpreis alle Inlandsbriefe klimaneutral. Wie geht das?

Dank vielseitiger Massnahmen sortiert und transportiert die Post Briefe, Pakete und Güter schon sehr klimafreundlich. Wir erreichen den klimaneutralen Versand, indem wir in nationale und internationale Projekte mit höchsten Standards investieren, um so genannte Klimaschutzzertifikate zu erwerben.

Was für Projekte werden denn konkret durch Klimaschutzzertifikate gefördert? 

Man denkt in diesem Kontext vielleicht, dass Bäume gepflanzt werden. Es geht aber weit darüber hinaus, indem Energie eingespart wird, erneuerbare Energieträger eingesetzt werden und zudem eine nachhaltige Entwicklung für die Menschen vor Ort unterstützt wird. Durch solche Klimaschutzprojekte werden die CO2-Emissionen im selben Umfang reduziert, wie sie durch den Versand der Briefe entstehen, damit sind sie als «pro clima»- Sendungen klimaneutral unterwegs.

Wie werden die Projekte ausgewählt, in welche die Post investiert?

Aus Klimasicht ist es egal, wo diese Reduktionsmassnahmen auf der Welt ergriffen werden. In welche Projekte die Post investiert, wird durch eine Fachjury externer Personen begleitet, wie der CEO vom WWF Schweiz oder die Geschäftsleiterin der Stiftung Konsumentenschutz. Sie stellen sicher, dass wir uns in Projekten engagieren, die den höchsten internationalen Anforderungen entsprechen.

Auch Pakete können Kunden klimaneutral versenden. Warum ist das attraktiv?

Durch den zunehmenden E-Commerce werden immer mehr Pakete versendet. Unsere Kunden können sich einfach für das Klima engagieren. Sie haben die Möglichkeit, den «pro clima»-Versand der Post zu nutzen und mit einem geringen Zuschlag von wenigen Rappen ein Paket klimaneutral auf den Weg zu bringen. Das Paket erhält dann einen Aufkleber, der dem Empfänger signalisiert, dass es klimaneutral versendet wurde.

Der klimaneutrale Versand ist aber nur ein kleiner Teil der nachhaltigen Entwicklungen bei der Post.

Die beste Energie ist die, welche überhaupt nicht benötigt wird. Suffizient und energieeffizient zu arbeiten, ist daher das Wichtigste für mehr Klimaschutz. Dritte Priorität ist, auf erneuerbare Energien zu setzen. Der Kauf von Klimaschutzzertifikaten steht an vierter Stelle. Wir haben daher bereits vor Jahren eines der Konzernziele der Post dem Klimaschutz gewidmet und arbeiten darauf hin, bis 2020 unsere CO2-Effizienz um 25 Prozent, bezogen auf das Jahr 2010, zu steigern. Das Klimaziel der Post ist langfristig ausgerichtet und steht im Einklang mit der Stabilisierung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2°C bis 2100 gegenüber vorindustriellen Werten.

Die Post bezieht ihren Strom bereits heute zu 100 Prozent von erneuerbaren Energien aus der Schweiz. Einen Teil davon produziert sie selbst. Welche Projekte stehen hier als nächstes an?

Neben dem, dass wir heute bereits 3 Prozent unseres Strombedarfs mit eigenen Photovoltaik-Anlagen decken, haben wir verschiedene wegweisende Projekte im Portefeuille. Eines wurde zunächst als Pilot in der Umweltarena in Spreitenbach umgesetzt. Dort speist eine Photovoltaik-Anlage einen Stromspeicher, der sich aus aussortierten Batterien unserer Elektroroller zusammensetzt. So geben wir den Batterien ein zweites Leben und durch die Weiterverwendung wird ihr Lebenszyklus verlängert. Denn nach sieben Jahren im Elektroroller haben sie noch eine 80-prozentige Kapazität. Das reicht nicht mehr aus für die Zustellung, aber ist mehr als genug für ein stationäres Speichermedium. Im Mai wird die Poststelle beim Bahnhof Neuchâtel analog ausgerüstet.

Welche Rolle spielt Digitalisierung bei der nachhaltigen Entwicklung der Post?

Innovation und Nachhaltigkeit gehen oft Hand in Hand. Ein Beispiel ist unsere Mobilitäts-Plattform mit NordwestMobil in Basel. Hier bieten wir alle Arten von Mobilität an, wie Mitfahrmöglichkeiten, Fusswege oder Taxen. Sogar freie Parkplätze sind dabei. Diese Vernetzung zahlt sich für die Nachhaltigkeit aus. Dadurch lassen die Leute ihr Auto vielleicht öfter stehen, weil sie merken, dass mit anderen Verkehrsmitteln zu reisen nicht nur praktisch und schneller ist, sondern auch ökologischer.

Inwiefern lassen sich solch smarte Lösungen auch auf Arbeitsprozesse in Ihrem Unternehmen übertragen?

Es gibt innerhalb der Post einige Projekte dazu,  zum Beispiel einen Smart Button an der Kaffeemaschine. Wenn man darauf drückt, wird dem Hausdienst direkt Bescheid gegeben, dass die Kaffeemaschine repariert werden muss. Gemäss der Vision der Post «Einfach mit System». Dieses lässt sich etwa auf die Entsorgung innerhalb von Gebäuden und auch ausserhalb übertragen. Wenn es einen Sensor am Abfallkübel gibt, der den Füllstand verrät, muss man diesen nur bei Bedarf leeren. Das führt zu einer optimierten Routenplanung und letztlich dazu, dass man ökologischer unterwegs ist.

Vielen Dank für das Interview!

Sie möchten noch mehr über smarte Lösungen bei der Digitalisierung wissen? Dann lauschen Sie doch Anne Wolfs Vortrag am Forum ö in Basel. Im Mai wird sie dort über «Digitalisierung & Nachhaltigkeit – was bedeutet das für uns?» referieren.

Forum ö 2017: Digitale Wirtschaft und Nachhaltigkeit

Die digitale Transformation verändert unsere Wirtschaft und Gesellschaft in einem atemberaubenden Tempo. Werden wir dank der Digitalisierung bald ressourcen- und umweltschonender produzieren können? Welche Geschäftsmodelle bergen dank der Digitalisierung ein langfristiges Potenzial? Und welche Herausforderungen und Risiken puncto Nachhaltigkeit gilt es dabei im Auge zu behalten?

Am Forum ö 2017 am 18. Mai in Basel (8.30-17.30 Uhr) werden diese und weitere Fragen in Referaten und Podiumsdiskussionen adressiert und diskutiert.

Interview: Bianca Sellnow

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