Ölheizungen können mit erneuerbaren Energien kombiniert werden

Ölheizungen geniessen wegen den hohen CO2-Emissionen und steigenden Öl-Kosten nicht den besten Ruf. Heizen mit Öl ist jedoch in der Handhabung bequem und kann bei moderner Anlage in Kombination mit erneuerbaren Energien ein gutes Heizsystem sein.

Ölheizungen arbeiten dank modernen Techniken effizienter.
Ölheizungen mit Brennwerttechnik haben eine höhere Energieeffizienz und verbrauchen weniger Heizöl. Foto: AlexRaths / iStock / Thinkstock
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Im Vergleich mit anderen Heizsystemen landet die Ölheizung in punkto Umweltbelastung weit vorne. Denn bei der Verbrennung von einem Liter Heizöl entstehen 2,65 Kilogramm CO2, welches an die Luft abgegeben wird. Bevor Sie ab dieser Nachricht gleich den Austausch Ihres Öl-Heizsystems in Angriff nehmen, lohnt es sich aber vorab einige Informationen einzuholen. Denn nicht nur Ölheizungen belasten das Klima. Auch Gasheizsysteme stossen CO2 aus, Wärmepumpen brauchen viel Strom und Holzheizungen sind wegen der Feinstaub- und Stickstoffemissionen nicht unbedenklich. Hier erfahren Sie, dass moderne Ölheiz-Anlagen dank einer grösseren Energieeffizienz und schwefelarmem Öko-Heizöl das Klima weniger belasten und sich gut mit erneuerbaren Energien kombinieren lassen. Zudem sollten Sie vor der Erneuerung Ihres Heizsystems die Sanierung und Dämmung Ihres Hauses ins Auge fassen, denn damit können Sie einen hohen Energieverbrauch und hohe Heizkosten verhindern.

Effizientere Ölheizungen dank der Brennwerttechnik

Die Ölheizung ist ein Warmwasserheizsystem. Das Herzstück der Heizungsanlage ist ein mit Öl betriebener Heizkessel. In einer ersten Stufe wird das Wasser durch die direkte Wärmestrahlung der Flamme auf 30 bis 100 Grad erhitzt. Moderne Anlagen haben mit der sogenannten Brennwerttechnik den Vorteil der grösseren Energieeffizienz, indem sie die zusätzliche Wärmeenergie von den heissen Abgasen (Kohlendioxid, Wasserdampf, Schwefeldioxid und Stickoxide), die bei der Verbrennung von Heizöl entstehen, nutzen. Bei Ölheizungen mit Brennwertkessel werden die Abgase soweit abgekühlt, bis der Wasserdampf kondensiert. Die durch die Abkühlung zusätzlich gewonnene Energie kann dann beispielsweise zur Vorwärmung der Verbrennungsluft im Heizkessel genutzt werden.

Das erhitzte Wasser wird anschliessend durch ein Rohrsystem in die verschiedenen Heizkörper gepumpt, welche die Wärme an die Raumluft abgegeben. Als Heizkörper gelten Radiatoren in den Räumen oder Rohrsysteme für Wand- und Bodenheizungen. Anschliessend fliesst das abgekühlte Wasser zurück zum Heizkessel, wo es erneut erhitzt wird. Der Wasserkreislauf wird durch eine Umwälzpumpe in Betrieb gehalten.

Ölheizungen umweltfreundlicher machen

Nicht nur moderne Anlagen profitieren von der Brennwerttechnik und einer höheren Energieeffizienz. Auch bei älteren Ölheizungen können Brennwertkessel eingebaut und einen zusätzlichen Wärmegewinn von bis zu 10 Prozent realisiert werden. Dies führt zu einem geringeren Heizölverbrauch und trägt zum Klimaschutz bei. Speziell für Brennwertkessel ist zudem das Öko-Heizöl schwefelarm geeignet, welches bei der Verbrennung weniger Stickoxid-Abgase in die Luft abgibt. Bei bestehenden konventionellen Anlagen können Sie gleichfalls auf Öko-Heizöl umzusteigen. Informieren Sie sich hierfür bei Ihrem Kesselhersteller. Dieser erklärt Ihnen vorab die nötigen Massnahmen bei einem Ölwechsel. Grundsätzlich ist eine Tankreinigung empfehlenswert.

Die eigene Ölheizung lässt sich für eine höhere Umweltfreundlichkeit zudem mit Sonnenkollektoren kombinieren. Mit der gewonnenen Sonnenenergie können Sie vor allem im Sommer Ihre Ölheizung bei der Produktion von Warmwasser entlasten. Rund fünf Quadratmeter Sonnenkollektoren auf dem Dach reichen aus, um im Sommer 100 Prozent des Wassers, das Sie zum Duschen oder Abwaschen benötigen, aufzuwärmen. Die Kombination von Ölheizung mit erneuerbaren Energien schont nicht nur die Umwelt, sondern spart auch Kosten. Dank der Sonnenkollektoren müssen in einem Einfamilienhaus mit vier Bewohnern keine 400 Liter Heizöl mehr zur Warmwassergewinnung verbrannt werden. Damit sparen Sie um die 320 CHF pro Jahr.

Die Kosten für Ölheizungen sind moderat, dafür steigen die Preise für das Heizöl.

Die Kosten fürs Heizen mit Öl sind in den letzten zehn Jahren wegen den hohen Ölpreisen angestiegen. Foto: Wavebreakmedia Ltd / Wavebreak Media / Thinkstock

Trotz diverser Möglichkeiten, Ölheizungen effizienter und umweltfreundlicher zu machen, werden sie bei neu erstellten Wohnhäusern vom Spitzenplatz verdrängt. Aktuellen Markterhebungen nach hat die Wärmepumpe bei neuen Einfamilienhäusern die Nase vorn. Bei sanierten und neugebauten Mehrfamilienhäusern dominieren Gasheizungen. Heizsysteme mit Öl kommen nur noch auf einen Anteil von 10 Prozent.

Für eine neue Ölheizungsanlage mit Tank müssen Sie mit moderaten 17'000 CHF rechnen. Ins Gewicht fallen jedoch die immer höheren Kosten fürs Öl. Die Preise stiegen in den letzten Jahren markant an und kletterten im April diesen Jahres wegen den anhaltenden Kämpfen in Libyen auf einen Höchsstand. Bezahlte man vor zehn Jahren für 100 Liter Heizöl rund 35 CHF, so kostet dieselbe Menge heute knapp 95 CHF (Richtwert April 2011). Ein Preissturz ist in naher Zukunft wegen Kapazitätsengpässen (die Nachfrage nach Erdöl steigt weltweit an) und weiteren politischen Einflüssen nicht absehbar. Dazu kommt, dass der Bundesrat auf CO2-Emissionen eine Lenkungsabgabe plant. Dabei werden Brennstoffe (Öl, Gas, Kohle) und Treibstoffe (Benzin, Diesel) mit einer Klimaabgabe verteuert. Wann und in welcher Höhe diese Abgabe in Kraft tritt, ist noch nicht klar.

Vor der Sanierung der Ölheizung die Sanierung der Gebäudehülle planen

Obwohl die Kosten für Ölheizungen steigen, sollten Sie gut Abklären, ob sich der Einbau eines neuen Heizsystems lohnt. Der WWF, die ETH Zürich und die Branchenverbände der verschiedenen Heizsysteme haben in einer Untersuchung einen Kostenvergleich zum Sanieren von Gebäudehüllen und Heizsystemen erstellt. Als Faustregel kam heraus, dass Sie erst Ihr Eigenheim dämmen und isolieren und anschliessend die Sanierung Ihrer alten Heizanlagen oder den Einbau eines neuen Heizsystems angehen sollten. Denn durch eine gute Dämmung und Isolation senkt sich der Heizenergiebedarf deutlich. «Ein isoliertes Gebäude mit einer Ölheizung ist mir lieber als eine Villa Durchzug mit Holzheizung», meint Christian Zeyer (Dozent bei den eintägigen WWF Kursen zu Haussanierung) im Interview mit hausinfo.ch und spricht dabei die Energiesparmöglichkeiten durch eine neue Dach- und Fassadenisolation an. Damit können Sie rund 65 bis 75 Prozent des Energiebedarfs senken und schonen nicht nur die Umwelt, sondern auch Ihr Portemonnaie.

Informationen zur Ölheizung auf einen Blick:

 
  • Ölheizungen belasten wegen den hohen CO2-Emissionen bei der Verbrennung von Heizöl das Klima.
  • Moderne Heizanlagen verbrauchen dank der Brennwerttechnik und einer höheren Energieeffizienz weniger Heizöl und schonen damit die Umwelt.
  • Das Schwefelarme Öko-Heizöl ist für die Brennwerttechnik geeignet und gibt weniger Stickoxide in die Luft ab.
  • Ölheizungen lassen sich gut mit erneuerbaren Energien kombinieren. Fünf Quadratmeter Sonnenkollektoren reichen aus, um im Sommer bis zu 100 Prozent des Gebrauchswassers aufzuwärmen.
  • Wegen den steigenden Öl-Preisen steigen auch die Kosten fürs Heizen mit Öl.
  • Vor der Sanierung der Ölheizung oder dem Einbau eines neuen Heizsystems sollten Sie die Isolierung Ihres Eigenheims in Angriff nehmen.

 

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