Franz Beyeler: Mit Minergie bauen lohnt sich

Welche Vorteile hat ein Minergie-Haus im Vergleich zu einem herkömmlichen Neubau? Und wie werden die Standards in Zukunft aussehen? Franz Beyeler, Geschäftsführer Minergie, sprach mit nachhaltigleben.ch über die aktuellen Entwicklungen des Labels.

Geschäftsführer Franz Beyeler im Interview zu Minergie.
Franz Beyeler, Geschäftsführer Minergie. Foto: Archiv
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Warum sollte man heute ein Haus nach Minergie-Standard bauen?

Mit Minergie zu bauen bedeutet für den Gebäudenutzer mehr Komfort und damit auch mehr Lebensqualität. Die Werthaltigkeit bei einem Minergie-Haus ist zudem besser als bei einem herkömmlichen Gebäude, weil der Investor weniger von Fremdenergie abhängig ist. Dadurch ist er von den fortwährenden Erhöhungen der Energiepreise nicht so stark betroffen. Zusätzlich ist die Umweltbelastung eines Minergie-Hauses geringer als die einer herkömmlichen Immobilie. Durch den niedrigeren Energieverbrauch wird weniger CO2 freigesetzt. Insgesamt sparen so die rund 21‘000 Gebäude heute schon Energie im Umfang von 150 Millionen Liter Heizöl pro Jahr.

Wohnen Sie selbst auch in einem Minergie-Haus?

Nein, denn ich habe vor 16 Jahren ein altes Zweifamilienhaus gekauft und in ein Einfamilienhaus umgebaut. Damals gab es Minergie noch nicht. Im Laufe der Jahre habe ich aber an unserem Haus vieles erneuert und verbessert. So wurde die Oelheizung mit einer Wärmepumpe ersetzt und auf dem komplett sanierten Dach haben wir einen Solarkollektor für das Brauchwasser installiert. Selbstverständlich haben wir vor 16 Jahren auch alle Fenster ersetzt. Weiter profitieren wir von einer Einzelraumlüftung im Schlafzimmer.

Der Umweltexperte Ernst Ulrich von Weizsäcker fordert in seinem Buch «Faktor 5» eine Steigerung der Energieeffizienz um das Fünffache. Kann Minergie das schaffen?

Ein Gebäude, das nach dem Minergie-P Standard gebaut ist, schafft heute bereits wesentlich mehr, nämlich einen Faktor 7. Häuser, die nach Minergie-P gebaut werden, sparen rund 70 Prozent der Energie gegenüber einem herkömmlichen Gebäude. Das äussert sich zum Beispiel in einem deutlich niedrigeren Energieverauch. Bei einem herkömmlichen Gebäude liegt dieser zwischen 20 und 23 Litern pro Quadratmeter beheizte fläche und Jahr. Ein Haus nach Minergie Standard benötigt nur 3,8 Liter und ein Gebäude im Minergie-P-Standard lediglich 3 Liter pro Quadratmeter.

Kurze Übersicht Minergie-Standards

Minergie: Bei MINERGIE® wird das Ziel als Grenzwert im Energieverbrauch definiert. Die Wege dazu sind vielfältig. Wichtig ist, dass das ganze Gebäude als integrales System betrachtet wird: die Gebäudehülle mit der Haustechnik.

Minergie P: Der Standard MINERGIE-P® bezeichnet und qualifiziert Bauten, die einen noch tieferen Energieverbrauch als MINERGIE® anstreben. MINERGIE-P® bedingt ein eigenständiges, am niedrigen Energieverbrauch orientiertes Gebäudekonzept.

Minergie-Eco/P-Eco: Während Merkmale wie Komfort und Energieeffizienz MINERGIE®-Gebäuden eigen sind, erfüllen zertifizierte Bauten nach MINERGIE-ECO® auch Anforderungen einer gesunden und ökologischen Bauweise.

Quelle: minergie.ch

Der Bau eines Minergie-Hauses ist teurer als der eines herkömmlichen Gebäudes. Warum lohnt sich die Investition trotzdem?

Die Mehrkosten für ein Minergie-Haus sind heute kaum noch relevant. In den letzten Jahren haben viele Investoren freiwillig Häuser nach Minergie-Standard gebaut. Das hat dazu beigetragen, dass viele Kantone ihre gesetzlichen Vorschriften zur Energieeffizienz für Neubauten verbessert haben. Daher liegen die Mehrkosten bei einem grossen Neubau heute nur noch bei ungefähr 0,7 Prozent. Diese zusätzlichen Kosten amortisieren sich nach kurzer Zeit, da nach Minergie-Standard gebaute Häuser mit einem höheren Preis wieder verkauft oder vermietet werden können.

Im Rahmen der bevorstehenden Minergie-Messe wird der neue Standard Minergie-A vorgestellt. Was unterscheidet diesen von den bisherigen Standards?

Ein Gebäude, das nach Minergie-A gebaut wird, ist ein so genanntes Plus-Energie- oder auch Null-Energie-Haus. Der Bau eines solchen Hauses bezieht im Gegensatz zu den bisherigen Standards auch die so genannte graue Energie mit ein, die für Herstellung, Transport und Entsorgung der Baustoffe anfallen. Das bedeutet, dass für ein Minergie-A-Gebäude nicht alle Baustoffe verwendet werden dürfen. Das Haus hat zudem einen stark reduzierten Wärmeverbrauch, weil es den grössten Teil oder im besten Fall die gesamte benötigte Energie, selbst produziert. Dabei wird der Grossteil des Stroms durch Sonnenkollektoren gewonnen.

Welche Erwartungen stellen Sie persönlich an die Minergie-Messe?

Unter den Ausstellern sind viele der Marktführer auf ihrem Gebiet vertreten. Als Bauherr benötigt man eine hohe Beschaffungskompetenz und meine Erwartung ist, dass die vielen, guten Firmen, die vor Ort sind, den Bauherren das nötige Wissen vermitteln können. Zusätzlich zu der Messe gibt es auch Fachveranstaltungen, die sowohl für Bauherren als auch für Profis aus der Baubranche einen Mehrgewinn bringen sollen.

Welche Erfolge hat Minergie bisher erzielt?

Bei Wohnhäusern sind bereits 25 Prozent und bei Geschäftsgebäuden 20 Prozent der Neubauten nach Minergie zertifiziert. In Zürich liegt der Anteil sogar noch etwas höher. Nach Minergie gebaut werden jedoch noch mehr Häuser, allerdings ohne Zertifikat. Oft entscheiden Investoren, sich die Zertifizierung zu sparen. Sich den Bau nach Minergie zertifizieren zu lassen, ist jedoch ratsam, denn bei einem Wiederverkauf kann damit im Schnitt ein höherer Preis erzielt werden, als ohne das Zertifikat. Nur ein zertifiziertes Gebäude darf zudem als Minergie-Gebäude bezeichnet werden.

Im Gegensatz zu den Neubauten gehört die Sanierung mit Minergie noch nicht zum Standard. Wo liegen die Schwierigkeiten in diesem Bereich?

Oft wird die Sanierung eines Gebäudes nicht ganzheitlich unternommen. Es wird zum Beispiel nur die Heizung durch eine Wärmepumpe ersetzt und die Dämmung des Daches erst ein paar Jahre später ausgetauscht bzw. verbessert. Um nach den Minergie-Standards zu modernisieren muss eine Immobilie konzeptionell betrachtet werden. Das wird noch zu wenig gemacht. Dennoch gibt es bereits etwa 1000 Gebäude in der Schweiz, die nach Minergie modernisiert wurden.

Welche Entwicklungen erwarten Sie persönlich von Minergie in den nächsten Jahren?

Minergie sollte weiterhin ein Vorreiter für besseres Bauen sein. Im Bereich der Energieersparnis stösst man damit inzwischen an Grenzen. Deshalb wird in den nächsten Jahren die Konzentration auf Gesundheit und Komfort gelegt, so dass zum Beispiel häufig vorkommende Allergien bei der Auswahl der Baustoffe bedacht werden. Entwicklungen in diese Richtung gibt es bereits bei Minergie-A und auch bei dem Zusatz-Standard Eco, der beim Bau von Minergie und Minergie-P möglich ist. Derzeit wird mit der Unterstützung von Minergie ein Schweizer Standard für nachhaltiges Bauen entwickelt, um die Aspekte der Bauökologie einbeziehen zu können.

Weitere Informationen zu Minergie finden Sie unter www.minergie.ch
 

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