Bauen mit PET: So wird aus alten Flaschen ein innovatives Haus

Sie sind günstig und lösen zugleich ein Umweltproblem. Wie in Nigeria aus PET-Flaschen richtig schöne Häuser entstehen und warum die innovative Idee auch hierzulande sinnvoll genutzt werden könnte.

Recycling: PET-Flaschen ziehen in Nigeria solide Häuser hoch
Foto: © Andreas Froese / eco-tecnologia.com
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Die PET-Häuser sind denkbar einfach aufgebaut. Sie bestehen überwiegend aus Plastikflaschen, die mit Sand und Erde gefüllt werden. Dazu kommt ein Mörtelgemisch, das die Konstruktion zusammenhält. Als Putz für die Flaschenhäuser dient einfacher Lehm.

Die Flaschenhäuser gibt es bereits in vier Kontinenten

Ist ein solches Haus bezugsfertig, bietet es Bewohnern optimalen Schutz vor Wind und Wetter. Und nicht nur das: Sogar stärkere Erdbeben halten die PET-Häuser aus und selbst ein Feuer kann ihnen nichts anhaben. Ob brütende Hitze oder eisige Kälte, die Flaschenhäuser sind einfach und dennoch so genial konstruiert, dass sie die Innentemperatur auf natürliche Weise regulieren. Bisher wurden weltweit schon über 60 Projekte bestehend aus Häusern, Wassertanks oder gar Bushaltestellen mit Plastikflaschen realisiert.

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Jeder hilft mit: In Nigeria entsteht ein Haus aus PET-Flaschen

Anstatt eine Plastikflasche wegzuwerfen, nutzt die nigerianische Volksgruppe der Hausa diesen als Rohstoff zum Bau von Häusern und eines Wassertanks. Hilfe erhalten Sie dabei von lokalen NGOs sowie vom deutschen Umweltschützer Andreas Froese.

Er bildet die Bewohner aus, damit diese wiederum anderen zeigen können, wie die PET-Flaschen miteinander verbunden werden. Ein Mörtelgemisch aus Erde, Schutt und Geröll hält den Verbund zusammen und kommt ohne Zement aus. Foto: © Andreas Froese / eco-tecnologia.com

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Hinter der Idee steht der gelernte Zimmermann und Umweltschützer Andreas Froese. Er reist damit durch die Lande und gibt sein Wissen an jeden weiter, der gerne ein PET-Haus bauen möchte. Nebenbei versucht er aber auch, den Menschen vor Ort einen grundsätzlichen Sinn für Recycling zu vermitteln. «Wenn ich den Leuten zeige, wie man aus einer PET-Flasche einen Ziegelstein macht, dann erhält der Gegenstand für sie plötzlich einen Wert und der Müll wird fortan getrennt», sagt der Deutsche, der selbst in Lateinamerika lebt.

Alle sollen das System mit Plastikflaschen anwenden können

In ein bis zwei Wochen könne jeder lernen, wie ein Wassertank mit Plastikflaschen gebaut werde, sagt Froese. Ein Haus sei schon etwas komplizierter und brauche etwas mehr Zeit. Reich werden will der Umweltschützer an der Weitergabe seiner Bautechnik aber nicht. Es geht ihm bei seinen Baukursen darum «Hilfe zur Selbsthilfe» zu leisten. Ihm ist es wichtig, dass seine Technik allen frei zugänglich ist. Aus diesem Grund hat er die alternative Bauweise auch nur registrieren und nicht patentieren lassen.

Dabei ist Froese immer wieder überrascht, welchen Effekt der Bau eines eigenen Hauses oder auch nur eines Wassertanks auf die Menschen haben kann. Wenn die Bewohner sehen, was sie mit ihren eigenen Händen geschaffen haben, eröffnet das oft ganz neue Wege, zum Beispiel indem es Interesse für einen handwerklichen Beruf weckt.

Die Bewohner können durch das Flaschenhaus zudem lernen, wie sie sich organisieren. Denn um ausreichend Plastikflaschen für ein Haus zu sammeln, müssen sie sich oft etwas einfallen lassen. Dafür müssen sie unter anderem Freunde, Restaurants oder auch Schulen mobilisieren.

«Die Flaschenhäuser sind nicht nur etwas für Arme»

Bis zu 40 Prozent der Kosten werden laut Froese durch den Hausbau mit PET-Flaschen eingespart, statt Zement, Ziegelsteine und andere gewöhnliche Baumaterialien zu verwenden. Denn Zement sei gerade in vielen Entwicklungsländern, wo die PET-Häuser bisher am häufigsten stehen, ein teurer Baustoff.

Dennoch sieht er nicht nur für solche Länder Chancen, etwas damit zu bewirken: «Die Flaschenhäuser sind nicht nur etwas für Arme». Froese hofft, dass das Potenzial auch in Europa von den Universitäten und Ingenieuren erkannt wird. «Nicht nur der modernste Verbundstoff ist für eine Konstruktion brauchbar, wenn man sieht, was man aus alten Flaschen machen kann.»

Autor: Christian Gmür