Die Planung eines Nullenergiehauses

Nachhaltig mit einem Nullenergiehaus das Leben geniessen.

Null Energie und viel Komfort: das Nullenergiehaus lässt sich frei gestalten. Foto: © YanLev / iStock / Thinkstock

Um ein Nullenergiehaus zu planen, muss man Gebäude als Stoffkreisläufe verstehen und alle einzelnen Prozesse aufeinander abstimmen. Dazu gehört auch unweigerlich ein Unterhalts- und Wartungskonzept, das u.a. regelmässige Kontrollen der Fenster oder die fachgerechte Nutzung der Haushaltsgeräte beachtet. Damit ist sichergestellt, dass die ausgewogen geplante Energiebilanz in der Praxis nicht aus dem Ruder läuft. Dazu erklärt Moreno Piccolotto von 720° Architekten: «Ein schlecht gewartetes System führt über kurz oder lang zu schlechterem Innenraumklima, was sich negativ auf die Gesundheit der Bewohner und letztlich auf die Energiebilanz des Nullenergiehauses auswirken kann. Denn kranke Menschen verbrauchen mehr Energie als gesunde.» Um komfortables, gesundes und energieeffizientes Wohnen in einem Nullenergiehaus zu ermöglichen, berücksichtigt der Planer auch das Verhalten der Bewohner. In der Regel werden dafür statistische Werte zu Grunde gelegt. Meist stimmen diese jedoch nicht mit den tatsächlichen Gewohnheiten überein. Daher sind Bauherren vorab gefragt, die eigenen Vorstellungen zu formulieren. Die Macht der Gewohnheit habe einen beträchtlichen Einfluss, so Moreno Piccolotto. Beispielsweise verbinden viele Menschen Frischluft eng mit weit aufgerissenen Fenstern. Infolgedessen gäbe es Bewohner, die die Fenster trotz vorhandenem Belüftungssystems öffnen und dabei nicht auf die Energiebilanz achten. Deshalb versuchen Architekten das Wohnverhalten zu berücksichtigen und entsprechende Lösungen zu finden - ohne etwa eine strikte Hausordnung vorzugeben oder nicht aufschliessbare Fenster einzubauen.

Gestalterischer Freiraum: Viele Designs führen zu einem Nullenergiehaus

Die Minergie Standards geben lediglich die Rahmenbedingungen vor. Als Architekt hat Moreno Piccolotto somit mehr Gestaltungsspielräume: «Die durch die Labels vorgegebenen Werte sind das Ziel. Es obliegt den Planern die verschiedenen Wege zur Erfüllung dieser Ziele zu beschreiten und dadurch die gestalterischen Freiheiten auszuloten.» Bei Minergie versteht man das Gebäude als Baukastensystem, dessen einzelne Teile selber zusammengestellt werden können. So ist man u.a. bei der Materialwahl nicht eingeschränkt, weil es neben Holz eine Vielzahl an nachhaltigen Baumaterialien gibt. Bisher existiert noch keine Mehrkostenuntersuchung für Minergie A Gebäude. Generell sind die entstehenden Kosten eng mit dem jeweiligen Bauprojekt verbunden. Moreno Piccolotto schätzt die höheren Kosten eigener Bauprojekte im einstelligen Prozentbereich.

Den Minergie A Standard gibt es bis heute nur für Neubauten - ob Einfamilien- oder Mehrfamilienwohngebäude. Wahrscheinlich werden künftig auch Vorgaben für Modernisierungen entwickelt. Dabei stellen sich neue Herausforderungen. So ist u.a. zu beachten, dass die energetische Sanierung die bestehende Bausubstanz nicht beeinträchtigt.

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Quellen: Minergie, 720° Architekten

Text: Kerstin Borowiak