«Der Plusenergiebau muss staatlich gefördert werden»

Was motiviert Sie, sich so stark für Nachhaltigkeit einzusetzen?

Ich liebe nun mal die Natur. Und es tut mir weh zu sehen, wie sie durch unseren nicht nachhaltigen Umgang mit Ressourcen leidet. Die Verantwortung gegenüber der Schöpfung Erde ist für mich selbstverständlich – zumal ich meinen Kindern und Nachkommen auch einen Gefallen tue, wenn ich schonend mit ihr umgehe! Als Architekt habe ich die Möglichkeit, einen aktiven Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten. Ich möchte am Ende meines Lebens zurückblicken und sagen können: «Du hast deine Berufung zum Wohle unserer Natur und unserer Kinder gelebt.»

Wie verhält sich Ihre Familie, wenn es um Nachhaltigkeit geht? Gibt es diesbezüglich Diskussionen am Familientisch?

Klar, es gibt immer wieder kleine Auseinandersetzungen. Mir sind Kleinigkeiten sehr wichtig. Wie zum Beispiel, dass die richtige Pfannengrösse für die passende Kochherdplatte ausgewählt, dass unnötiges Licht gelöscht und dass der Computer ausgeschaltet wird. Bezüglich Raumtemperatur gibt es auch Diskussionen: Denn wo ist die Komfortzone für die ganze Familie?

Für welche persönliche Öko-Sünde schämen Sie sich am meisten? Und warum begehen Sie diese trotzdem?

Ich fliege jährlich im Durchschnitt zwei- bis dreimal in andere Länder. Ich mache dies, weil ich einfach liebend gerne fliege! Sie verstehen jetzt sicherlich, woher meine Faszination für Bertrand Piccard kommt.

Angenommen eine nachhaltigere Gesellschaft wäre nur mit persönlichem Verzicht machbar. Auf was würden Sie verzichten?

Auf Wohnraumfläche. Oder ich würde vom privaten auf den öffentlichen Verkehr umsteigen.

Was für ein nachhaltiges Produkt oder welche nachhaltige Dienstleistung würden Sie sich wünschen?

Ich wünschte mir, dass bei Neubauten oder Sanierungen nur noch Plusenergie-Standards erlaubt wären. Äusserst praktisch wäre auch ein saisonaler Energiespeicher, der die solare Energieproduktion des Sommers aufnimmt und im Winter wieder zurückgibt. Ebenfalls wichtig wäre ein Paradigmenwechsel in der Energiepreispolitik: Wer wenig Energie verbraucht, erhält die kWh günstiger, als diejenigen, die mehr verbrauchen.

Was wäre Ihr dringendster Wunsch an die Politik zur Förderung einer nachhaltigeren Gesellschaft?

Das wäre zweifelsfrei die Förderung der Plusenergiegebäude in der Schweiz. Bis jetzt gibt es diese nur im Kanton Bern, und das auch erst seit Beginn dieses Jahres.

Was planen Sie persönlich in den nächsten zwei Jahren, um eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen?

Geplant ist eine intensive Vermarktung des Plusenergiegebäudes. In den kommenden zwei Jahren werden Messungen sämtlicher Energieverbräuche und der Energieproduktion in den von uns erbauten Häusern aufgezeichnet. Ziel ist, für den Feinschliff unserer Konzepte herauszufinden, wie sich die Mieter in den Plusenergiehäusern verhalten und Erkenntnisse für neue Speichersysteme zu erhalten.

Wem würden Sie selbst die letzten elf Fragen stellen? Und warum?

Bundesrätin Doris Leuthard. Sie ist mit dem beschlossenen Atom-Ausstieg der Befürworter-Lobby entgegengetreten und hat einen mutigen sachpolitischen Entscheid gefasst. Als Aargauer bin ich sehr stolz auf unsere Aargauer Bundesrätin!

Text und Interview: Lea Schwer und Sabrina Stallone - Februar 2012