Aktuelle Neuerungen und Entwicklungen bei Minergie

Im Rahmen der bevorstehenden Minergie-Messe wird der neue Standard Minergie-A vorgestellt. Was unterscheidet diesen von den bisherigen Standards?

Ein Gebäude, das nach Minergie-A gebaut wird, ist ein so genanntes Plus-Energie- oder auch Null-Energie-Haus. Der Bau eines solchen Hauses bezieht im Gegensatz zu den bisherigen Standards auch die so genannte graue Energie mit ein, die für Herstellung, Transport und Entsorgung der Baustoffe anfallen. Das bedeutet, dass für ein Minergie-A-Gebäude nicht alle Baustoffe verwendet werden dürfen. Das Haus hat zudem einen stark reduzierten Wärmeverbrauch, weil es den grössten Teil oder im besten Fall die gesamte benötigte Energie, selbst produziert. Dabei wird der Grossteil des Stroms durch Sonnenkollektoren gewonnen.

Welche Erwartungen stellen Sie persönlich an die Minergie-Messe?

Unter den Ausstellern sind viele der Marktführer auf ihrem Gebiet vertreten. Als Bauherr benötigt man eine hohe Beschaffungskompetenz und meine Erwartung ist, dass die vielen, guten Firmen, die vor Ort sind, den Bauherren das nötige Wissen vermitteln können. Zusätzlich zu der Messe gibt es auch Fachveranstaltungen, die sowohl für Bauherren als auch für Profis aus der Baubranche einen Mehrgewinn bringen sollen.

Welche Erfolge hat Minergie bisher erzielt?

Bei Wohnhäusern sind bereits 25 Prozent und bei Geschäftsgebäuden 20 Prozent der Neubauten nach Minergie zertifiziert. In Zürich liegt der Anteil sogar noch etwas höher. Nach Minergie gebaut werden jedoch noch mehr Häuser, allerdings ohne Zertifikat. Oft entscheiden Investoren, sich die Zertifizierung zu sparen. Sich den Bau nach Minergie zertifizieren zu lassen, ist jedoch ratsam, denn bei einem Wiederverkauf kann damit im Schnitt ein höherer Preis erzielt werden, als ohne das Zertifikat. Nur ein zertifiziertes Gebäude darf zudem als Minergie-Gebäude bezeichnet werden.

Im Gegensatz zu den Neubauten gehört die Sanierung mit Minergie noch nicht zum Standard. Wo liegen die Schwierigkeiten in diesem Bereich?

Oft wird die Sanierung eines Gebäudes nicht ganzheitlich unternommen. Es wird zum Beispiel nur die Heizung durch eine Wärmepumpe ersetzt und die Dämmung des Daches erst ein paar Jahre später ausgetauscht bzw. verbessert. Um nach den Minergie-Standards zu modernisieren muss eine Immobilie konzeptionell betrachtet werden. Das wird noch zu wenig gemacht. Dennoch gibt es bereits etwa 1000 Gebäude in der Schweiz, die nach Minergie modernisiert wurden.

Welche Entwicklungen erwarten Sie persönlich von Minergie in den nächsten Jahren?

Minergie sollte weiterhin ein Vorreiter für besseres Bauen sein. Im Bereich der Energieersparnis stösst man damit inzwischen an Grenzen. Deshalb wird in den nächsten Jahren die Konzentration auf Gesundheit und Komfort gelegt, so dass zum Beispiel häufig vorkommende Allergien bei der Auswahl der Baustoffe bedacht werden. Entwicklungen in diese Richtung gibt es bereits bei Minergie-A und auch bei dem Zusatz-Standard Eco, der beim Bau von Minergie und Minergie-P möglich ist. Derzeit wird mit der Unterstützung von Minergie ein Schweizer Standard für nachhaltiges Bauen entwickelt, um die Aspekte der Bauökologie einbeziehen zu können.

Weitere Informationen zu Minergie finden Sie unter www.minergie.ch

Interview: Bianca Sellnow