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Gebäudelabels in der Schweiz im Vergleich: Minergie, SNBS, DGNB/SGNI & SIA – welcher Standard passt?

Du möchtest bauen oder sanieren – und plötzlich prasseln Begriffe wie Minergie, SNBS, DGNB/SGNI, SIA 390/1 und GEAK auf dich ein. Das kann sich anfühlen wie eine Fremdsprache, obwohl es am Ende um etwas sehr Konkretes geht: Komfort, Gesundheit, Kosten, CO₂ und Werthaltigkeit. Dieser Artikel entwirrt die Labels und gibt dir eine einfache Entscheidungslogik, damit du für dein Projekt in der Schweiz den passenden Standard wählst.

Schweizer Einfamilienhaus mit Solaranlage, moderner Holzbau
Zwischen Plan und Praxis: Standards helfen – aber nur, wenn man sie richtig einsetzt. © acilo / Getty Images

Was ist ein Gebäudelabel – und wozu brauchst du es?

Ein Gebäudelabel ist ein freiwilliger, definierter Qualitätsnachweis für bestimmte Ziele: meist Energieeffizienz, Klimawirkung, Komfort, Gesundheit oder umfassende Nachhaltigkeit. Der Nutzen ist nicht nur „Papier“: Ein sauber gewähltes Label schafft Planungssicherheit, erleichtert die Kommunikation mit Banken, Investor:innen oder Käufer:innen und kann – je nach Kanton und Programm – die Grundlage sein, um Förderlogiken besser zu nutzen. Wichtig ist aber: Labels sind Werkzeuge. Sie helfen dir, Qualität messbar zu machen – sie nehmen dir die Projektführung nicht ab.

Labels vs. Normen vs. Energieausweise (GEAK) – klare Abgrenzung

In der Schweiz begegnen dir drei „Welten“, die oft verwechselt werden:

Labels (z. B. Minergie, SNBS, DGNB/SGNI) sind Zertifizierungen mit klaren Kriterienkatalogen und Prüfprozessen. Du erhältst am Schluss ein Zertifikat (meist objektbezogen) und oft eine Einstufung.

Normen/Standards (z. B. SIA 390/1) definieren fachliche Regeln und Berechnungsmethoden. Sie sind häufig die Grundlage, um ein Ziel wie „Netto-Null“ über den Lebenszyklus verlässlich zu bilanzieren – auch ohne „Label-Plakette“.

Energieausweise wie der GEAK (und besonders GEAK Plus) sind primär ein Bestands- und Sanierungsinstrument: Wo steht das Gebäude energetisch? Welche Massnahmen bringen welche Wirkung? Für den Einstieg in eine Sanierung ist GEAK Plus oft der pragmatischste erste Schritt.

Was ein Zertifikat NICHT ersetzt 

Selbst das beste Label garantiert nicht automatisch niedrige Energieverbräuche oder perfekte Innenluft. Entscheidend sind auch: die Detailplanung (Wärmebrücken, Luftdichtheit, Feuchteschutz), die Inbetriebnahme (Einregulierung, Monitoring) und der Betrieb (Lüftung richtig nutzen, Sollwerte verstehen). 

Dein Ziel entscheidet: Welcher Standard passt?

Der schnellste Weg zur passenden Wahl ist, erst dein Hauptziel zu definieren und dann den Standard zu wählen, der dieses Ziel am zuverlässigsten abdeckt. Unten findest du die wichtigsten „Ziel-Pfade“ – inklusive typischer Missverständnisse.

Komfort & Energieeffizienz (Minergie)

Wenn du vor allem behaglich wohnen oder arbeiten willst – stabil warm im Winter, nicht überhitzt im Sommer, mit guter Luftqualität und kontrollierbarer Technik – ist Minergie ein sehr verbreiteter Schweizer Weg. Minergie ist stark in der Gebäudehülle, in der Energieeffizienz und in der Systemlogik. In der Praxis bedeutet das: Du baust oder sanierst so, dass der Energiebedarf tief bleibt und die Haustechnik dazu passt. Für viele Einfamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser ist das ein gut verständlicher Qualitätsrahmen.

Missverständnis: „Minergie = immer Komfort.“ Komfort entsteht nicht nur durch Dämmung, sondern auch durch Sommerlicher Wärmeschutz, gute Regelung und ein sauberes Inbetriebnahme- und Betriebskonzept.

Betrieb CO₂-frei & PV-Logik (Minergie-A / erneuerbare Systeme)

Wenn dein Fokus darauf liegt, im Betrieb möglichst CO₂-frei zu sein und erneuerbare Energie (typisch Photovoltaik) konsequent einzubinden, wird die Logik von Minergie-A interessant. Diese Ausrichtung hilft dir, nicht nur „wenig Energie“ zu brauchen, sondern auch systematisch zu planen, wie die verbleibende Energie bereitgestellt wird. Gerade wenn du ein Netto-Null-Ziel kommunizieren möchtest, ist es wichtig, sauber zu trennen: Betriebsenergie ist nicht dasselbe wie Lebenszyklus (graue Emissionen aus Bauprodukten).

Gesundheit & Innenraum (Zusatz ECO, WELL als Kontext)

Wenn du sensibel auf Schadstoffe reagierst, kleine Kinder im Haushalt sind oder du Innenräume möglichst „robust“ und wohngesund willst, lohnt es sich, die Innenraum- und Materialperspektive explizit mitzudenken. Der Zusatz ECO (im Umfeld von Minergie) adressiert typischerweise Aspekte wie Materialwahl, Emissionen und Komfortthemen.

WELL kann als internationales Konzept für Gesundheit am Arbeitsplatz/Wohnen im Hintergrund mitgedacht werden. Für viele Projekte in der Schweiz ist aber ein pragmatischer Mix aus sauberer Bauphysik, emissionsarmen Materialien und guter Lüftungs-/Sommerstrategie oft wirksamer als ein zusätzlicher, komplexer Zertifizierungsprozess.

Ganzheitliche Nachhaltigkeit (SNBS)

Wenn du nicht nur Energie, sondern ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit gleichwertig abbilden willst, ist der Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) naheliegend. SNBS ist stark, wenn du Zielkonflikte transparent machen willst: Klimawirkung vs. Kosten, Komfort vs. Technikkomplexität, Flächeneffizienz vs. Lebensqualität. Für öffentliche Bauherrschaften, Genossenschaften oder Projekte mit hohem Anspruch an Transparenz ist SNBS oft eine passende Sprache.

Investoren-/Portfolio-Logik & ESG (DGNB/SGNI)

Wenn du im Kontext von ESG (Environment, Social, Governance) berichtest, Immobilien als Portfolio steuerst oder international vergleichbare Kriterien brauchst, wird DGNB (in der Schweiz oft über die SGNI) interessant. Die Stärke liegt in der systematischen, dokumentierbaren Abdeckung vieler Nachhaltigkeitsdimensionen und in der Anschlussfähigkeit an Investorenanforderungen. Das kann gerade für Gewerbe, Büro, Areale und grössere Portfolios helfen, weil du intern und extern eine nachvollziehbare Bewertungslogik erhältst.

Missverständnis: „DGNB/SGNI ist nur Marketing.“ Richtig angewendet ist es vor allem ein Managementsystem: Ziele setzen, Nachweise erbringen, Qualität überprüfen. Ob es sich lohnt, hängt davon ab, ob du diese Managementlogik wirklich brauchst – oder ob ein schlankeres Zielsystem reicht.

Netto-Null über den Lebenszyklus (SIA 390/1)

Wenn du „Netto-Null“ ernsthaft über den gesamten Lebenszyklus (inklusive Erstellung, Ersatz, Betrieb) betrachten willst, führt in der Schweiz kaum ein Weg an einer sauberen Bilanzmethodik vorbei. Genau dafür ist SIA 390/1 als aktueller Standard zentral: Er schafft eine nachvollziehbare Grundlage, um Klimaziele nicht nur über PV und Wärmepumpe, sondern auch über Materialwahl, Konstruktion, Lebensdauer und Ersatzzyklen zu steuern. Das ist besonders wichtig, weil mit steigender Effizienz im Betrieb die grauen Emissionen prozentual an Bedeutung gewinnen.

Neubau vs. Sanierung: Was ändert sich bei der Wahl?

Im Neubau kannst du Systeme, Geometrie und Materialwahl „aus einem Guss“ planen. In der Sanierung arbeitest du dagegen mit einem Bestand: Bauteile, Anschlüsse, Feuchtehaushalt, Denkmalschutz, Budget und Etappierung setzen Grenzen. Deshalb ist die klügste Labelwahl bei Sanierungen oft die, die Entscheidungen in Etappen ermöglicht, ohne dass du dir später Optionen verbaust (z. B. durch falsche Reihenfolgen bei Fenster, Dämmung, Lüftung, Heizung).

Einfamilienhaus vs. Mehrfamilienhaus vs. Gewerbe – typische Fälle

Beim Einfamilienhaus zählen oft Komfort, einfache Bedienung und Kostenkontrolle. Hier sind Minergie-Logiken häufig gut umsetzbar, solange du Sommerkomfort und Betrieb mitdenkst. Im Mehrfamilienhaus spielen zusätzlich Betriebskosten, Nutzerdiversität (unterschiedliches Lüftungs- und Heizverhalten) und Mess-/Abrechnungsthemen eine grössere Rolle – klare Standards helfen, weil sie Planungs- und Ausführungsqualität absichern. Im Gewerbe und bei Büroflächen werden Innenraumqualität, Flexibilität und ESG-Berichtsfähigkeit wichtiger; dort kann DGNB/SGNI besonders anschlussfähig sein.

«Sanierung in Etappen» – welche Standards helfen dabei?

Wenn du etappiert sanieren willst, ist GEAK Plus oft der beste Start: Du bekommst eine strukturierte Analyse und Varianten, die du als Fahrplan nutzen kannst. Für das „Zielbild“ (z. B. Netto-Null bis 2040/2050) hilft dir eine Lebenszykluslogik nach SIA 390/1, damit du nicht nur einzelne Massnahmen optimierst, sondern das Gesamtziel triffst. Labels wie Minergie (und je nach Anspruch SNBS) können dann für einzelne Etappen oder als Endziel eingesetzt werden – wichtig ist, die Zertifizierungsstrategie früh mit der Etappierung zu synchronisieren.

Vergleichstabelle auf einen Blick

Die Tabelle unten ist bewusst als Übersicht geschrieben: Sie soll dir helfen, schnell zu sehen, wo ein Standard stark ist, was du nachweisen musst, und wo der Aufwand typischerweise liegt. 

Standard / Instrument Scope (worum geht’s?) Typische Nachweise Aufwand (relativ) Typischer Nutzen
Minergie Energieeffizienz, Komfort, Gebäude-/Systemqualität Energetische Kennwerte, Systemkonzept, Anforderungen an Ausführung/Qualitätssicherung Mittel Klare Qualitätslinie, gut kommunizierbar, oft gute Basis für Werthaltigkeit
Minergie-P Sehr tiefer Energiebedarf (hocheffiziente Hülle/Systeme) Strengere Nachweise zur Hülle, Dichtheit/Qualität, energetische Berechnungen Mittel bis hoch Maximierte Effizienz, oft tiefe Betriebskosten, hoher Komfort bei guter Planung
Minergie-A Erneuerbare Eigenproduktion & Betriebslogik (sehr hohe Effizienz + PV/System) Energetik + Stromproduktion/Deckungslogik, Systemauslegung Hoch Starke Erzählung für fossilfreien Betrieb, gute Grundlage für ambitionierte Betriebsziele
Minergie-ECO Innenraum/Material & ökologische Ergänzung zur Energie-Logik Material-/Emissionsanforderungen, Komfort-/Innenraumkriterien, zusätzliche Dokumentation Hoch Wohngesundheit, geringere Schadstoff-/Emissionsrisiken, bessere Innenraumqualität
SNBS Ganzheitliche Nachhaltigkeit (Ökologie/Ökonomie/Soziales) Kriterienkatalog mit Nachweisen über Planung, Bau, Betrieb; Dokumentation & Bewertung Hoch Transparente Zielkonflikt-Entscheide, starke Governance, sehr gute Kommunikationsbasis
DGNB/SGNI Ganzheitliche Bewertung + hohe ESG-/Portfolio-Anschlussfähigkeit Strukturierte Dokumentation, Kennwerte, Nachweise über Prozesse, Qualität, Umwelt, Komfort Hoch Investor:innen-/Reporting-Tauglichkeit, Portfolio-Steuerung, internationaler Wiedererkennungswert
GEAK (inkl. GEAK Plus) Zustandsanalyse Energie, Sanierungsberatung (Plus: Varianten/Fahrplan) Gebäudedaten, Verbrauch/Anlagendaten, Begehung; Plus: Variantenvergleich Niedrig bis mittel Schneller Einstieg, gute Entscheidungsgrundlage für Sanierung & Etappenplanung

Entscheidungsbaum 

Stell dir den Entscheidungsbaum wie eine einfache Abfolge von Ja/Nein-Fragen vor. Du kannst ihn 1:1 als Vorlage für ein Gespräch mit deiner Fachperson nutzen:

  1. Projektart: Neubau oder Sanierung? (Bei Sanierung: zuerst GEAK Plus als Startpunkt einplanen.)
  2. Hauptziel: Willst du primär (a) Komfort & Effizienz, (b) fossilfreien Betrieb/PV-Logik, (c) Innenraumgesundheit, (d) ganzheitliche Nachhaltigkeit, (e) ESG/Portfolio, (f) Netto-Null Lebenszyklus?
  3. Komplexität: Ein Objekt oder Portfolio/mehrere Gebäude? (Portfolio: DGNB/SGNI kann sich eher lohnen.)
  4. Netto-Null Anspruch: Nur Betrieb oder Lebenszyklus? (Lebenszyklus: SIA 390/1 als methodische Basis.)
  5. Nachweisbedarf: Brauchst du ein Zertifikat für Kommunikation/Finanzierung – oder reicht ein berechnetes Zielsystem mit Monitoring?

So nutzt du Standards strategisch (ohne dich zu verzetteln)

Das häufigste Problem ist nicht „zu wenig Nachhaltigkeit“, sondern zu viele Ziele ohne Priorität. Eine einfache Strategie, die sich in der Praxis bewährt: Starte breit (Bestand verstehen), entscheide dann fokussiert (ein Hauptziel), und sichere den Betrieb (Monitoring).

Schrittfolge: GEAK Plus -> Zielbild -> Label/Norm wählen -> Monitoring

1) GEAK Plus (bei Sanierung) oder Energie-/Klimakonzept (bei Neubau): Du brauchst belastbare Ausgangsdaten. Das BFE führt den GEAK als etabliertes Instrument für Energieklassierung und Sanierungsberatung.

2) Zielbild definieren: Lege ein Primärziel fest (z. B. „minimale Betriebskosten“, „fossilfrei im Betrieb“, „Netto-Null Lebenszyklus“, „Innenraumgesundheit“). Ein zweites Ziel darf mitlaufen, aber nur, wenn es nicht widerspricht.

3) Standard wählen: Für Komfort/Effizienz: Minergie. Für ganzheitliche Nachhaltigkeit: SNBS oder DGNB/SGNI (je nach Stakeholder-Logik). Für Lebenszyklus-Netto-Null: SIA 390/1 als methodische Leitplanke, optional ergänzt mit einem Label.

4) Monitoring & Inbetriebnahme: Plane Mess- und Kontrollpunkte mit ein (z. B. Einstellungen, Verbrauchsdaten, Innenraumklima). Das reduziert die Lücke zwischen Planung und realem Betrieb – ein Kernpunkt, den auch das BFE in der Praxis immer wieder adressiert.

Doppelzertifizierung: wann sinnvoll, wann Overkill

Doppelzertifizierungen können Sinn machen, wenn sie verschiedene Zwecke abdecken: etwa ein Label für Marktsignal/Komfort plus eine Norm für belastbare Lebenszyklus-Bilanz. Overkill wird es, wenn du zweimal fast das Gleiche nachweist, aber niemand die Resultate im Betrieb nutzt. Eine gute Faustregel: Wenn du nicht klar benennen kannst, wer welches Zertifikat braucht (Bank, Investor:in, Käufer:in, interne Governance), dann ist ein schlankerer Ansatz meist besser.

Mini-Checkliste zum Start

Wenn du heute noch starten willst, ohne dich zu überfordern, sammle zuerst nur die wichtigsten Daten und entscheide dann über den nächsten sinnvollen Schritt:

  • Gebäudedaten: Baujahr, Flächen, Pläne (falls vorhanden), Heizsystem, Warmwasser, Lüftung/Kamin, Fensteralter.
  • Verbrauch: 2–3 Jahre Strom- und Heizenergie (Rechnungen reichen), auffällige Spitzen notieren.
  • Ziele: Was ist dir am wichtigsten: Komfort, tiefe Kosten, Klimaziel, Innenraumgesundheit, ESG/Reporting?
  • Budget & Timing: Muss es etappiert sein? Gibt es Bauteile mit „End of Life“ (Heizung, Dach, Fenster)?
  • Expert:in finden: Für Sanierung: GEAK Plus-Beratung anfragen. Für Neubau/Netto-Null: Planungsteam mit Ökobilanz-/SIA-390/1-Kompetenz klären.

Infokästen: was heisst das konkret für dich?

Für Einfamilienhaus

Wenn du ein Einfamilienhaus planst oder sanierst, ist die „beste“ Wahl oft die, die du im Alltag gut betreiben kannst. Minergie (ggf. mit ECO) passt häufig, wenn du Komfort und Energieeffizienz priorisierst. Wenn dein Ziel „Netto-Null“ ist, kläre früh, ob du nur den Betrieb meinst (dann ist die System- und PV-Logik zentral) oder den Lebenszyklus (dann brauchst du SIA 390/1 als Bilanzrahmen). Achte besonders auf sommerlichen Wärmeschutz und einfache Bedienung der Technik – das senkt Stress und spart real Energie.

Für Sanierung

Bei Sanierungen ist Reihenfolge alles: erst analysieren, dann etappieren. GEAK Plus ist dafür sehr geeignet, weil du Varianten vergleichen kannst. Danach kannst du ein Zielbild wählen (z. B. Minergie als Endstandard oder SIA 390/1 als Klimapfad). Wichtig ist, Feuchte-/Schimmelrisiken sauber zu managen (Dämmung, Luftdichtheit, Lüftung). Die WHO (2021) macht deutlich, wie relevant Luftqualität für Gesundheit ist – in der Sanierung ist das oft der unterschätzte Hebel.

Für Investoren

Wenn du Immobilien als Anlage hältst oder entwickelst, zählt Nachvollziehbarkeit: Kriterien, Dokumentation, Vergleichbarkeit, Reporting. DGNB/SGNI kann helfen, ESG-Anforderungen strukturiert abzubilden. Ergänzend lohnt es sich, Netto-Null-Ziele über den Lebenszyklus nach SIA 390/1 zu verankern, damit Klimarisiken nicht nur über Betriebskennzahlen „schön gerechnet“ werden. Der strategische Nutzen entsteht, wenn du daraus Portfoliomassnahmen ableitest (CapEx-Planung, Sanierungsfenster, Material- und Systemstandards) und die Wirkung im Betrieb misst.

FAQ: 12 häufige Fragen

1) Was ist „besser“: Minergie oder SNBS?

Es kommt auf dein Ziel an. Minergie ist sehr stark bei Energieeffizienz und Komfortlogik. SNBS ist stärker, wenn du Nachhaltigkeit umfassend (inkl. ökonomisch/sozial) steuern und Zielkonflikte transparent entscheiden willst.

2) DGNB/SGNI: Lohnt sich das auch für ein einzelnes Wohnhaus?

Für ein einzelnes kleines Objekt ist der Aufwand oft hoch im Verhältnis zum Nutzen. DGNB/SGNI spielt seine Stärken eher bei grösseren Projekten, Gewerbe oder Portfolios aus, wenn ESG- und Reporting-Anforderungen entscheidend sind.

3) Ist GEAK ein Label wie Minergie?

Nein. GEAK ist ein Energieausweis; GEAK Plus ist eine Sanierungsberatung mit Varianten und Fahrplan. Es ist meist der beste Einstieg, ersetzt aber kein umfassendes Nachhaltigkeitslabel.

4) Brauche ich für Minergie zwingend eine Komfortlüftung?

In vielen Minergie-Konzepten spielt kontrollierte Lüftung eine zentrale Rolle für Energie und Innenraumqualität, aber die konkrete Ausgestaltung hängt vom Gebäude und vom gewählten Standard ab. Entscheidend ist, dass das Lüftungskonzept zur Dichtheit und Nutzung passt und sauber in Betrieb genommen wird.

5) Reicht Photovoltaik, um „Netto-Null“ zu behaupten?

Für „Netto-Null im Betrieb“ kann PV ein wichtiger Baustein sein, ersetzt aber keine Effizienz. Für „Netto-Null über den Lebenszyklus“ reicht PV alleine nicht, weil Erstellung und Ersatz (graue Emissionen) mit zählen. Genau hier hilft die Systematik nach SIA 390/1.

6) Was sind „graue Emissionen“ – und warum werden sie wichtiger?

Das sind Treibhausgasemissionen aus Herstellung, Transport, Bau, Unterhalt und Entsorgung von Materialien und Bauteilen. Je effizienter der Betrieb wird, desto stärker fällt dieser Anteil ins Gewicht. SIA 390/1 ist dafür ein zentraler Bezugsrahmen in der Schweiz.

7) Was kostet eine Zertifizierung?

Die Kosten variieren stark nach Gebäudeart, Grösse und Prozess. Grob gilt: GEAK/GEAK Plus ist meist der günstigste Einstieg; ganzheitliche Labels (SNBS, DGNB/SGNI) sind aufwändiger wegen Dokumentation und Prozess. Frage früh nach Gesamtkosten inkl. Planung, Nachweisführung und Prüfung – nicht nur nach Zertifikatsgebühren.

8) Wie lange dauert es, bis ich ein Zertifikat habe?

Bei Neubauten typischerweise bis nach Abschluss relevanter Planungs- und Ausführungsnachweise. Bei Sanierungen hängt es von der Etappierung ab. Plane Zeit für Nachweise, Kontrolle und eventuelle Nachbesserungen ein.

9) Verbessert ein Label den Wiederverkaufswert?

Es kann die Vermarktung erleichtern, weil Qualität sichtbar wird. Der reale Effekt hängt aber stark von Lage, Objektzustand, Betriebskosten, Sommerkomfort und nachvollziehbarer Dokumentation ab. Ein Label wirkt am besten, wenn es echte Qualität absichert und nicht nur „auf dem Papier“ besteht.

10) Was ist der häufigste Fehler bei nachhaltigen Gebäuden?

Ziele zu definieren, aber den Betrieb zu vergessen: fehlendes Monitoring, nicht eingeregelte Anlagen, unklare Bedienung. Das BFE betont in der Praxis, dass Performance-Gaps häufig aus Inbetriebnahme und Betrieb entstehen, nicht aus fehlenden Labels.

11) Kann ich erst GEAK Plus machen und später ein Label wählen?

Ja – und das ist oft sinnvoll. GEAK Plus gibt dir die Datengrundlage und eine Massnahmenlogik. Danach kannst du entscheiden, ob ein Label (Minergie, SNBS, DGNB/SGNI) oder eine Normlogik (SIA 390/1) den grössten Zusatznutzen bringt.

12) Welche Rolle spielt Gesundheit wirklich?

Eine grosse. Innenraumluft, Feuchte und Materialien beeinflussen Wohlbefinden und können gesundheitliche Risiken erhöhen oder senken. Im Gebäude heisst das: gute Lüftung, geringe Emissionen aus Materialien und Vermeidung von Feuchteschäden sind zentrale Qualitätsziele – unabhängig vom Label.

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