Energieeffizient wohnen zu bezahlbaren Mietpreisen

Ein altes Züricher Fabrikareal, eine engagierte Genossenschaft, nachhaltig planende Architekten und verständnisvolle Stadtverantwortliche. Mehr ist nicht nötig, um einen Wohntraum für über 1‘000 Menschen umzusetzen, der auf ein natürliches, gemeinschaftliches und energieeffizientes Wohnen setzt. Wie man hier der 2‘000 Watt Gesellschaft näher kommt.

Zürich, die 2000 Watt Gesellschaft und energieeffizient wohnen
Energieeffizient wohnen, noch dazu zu bezahlbaren Mietpreisen - dies ist das Ziel des Züricher Bauprojektes der Genossenschaft «mehr als wohnen». Und der Name ist wirklich Programm. Foto: © mehr als wohnen
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Der Durchschnittsschweizer verbraucht jährlich über 6‘000 Watt an Energie, etwa um es mollig warm zu haben, all die heimischen Elektrogeräte zu betreiben oder um zur Arbeit zu gelangen. Um diesen hohen Verbrauch und die Energiekosten zu reduzieren, werden inzwischen immer mehr energieeffiziente Überbauungen, Siedlungen oder Quartiere geschaffen. So auch in Zürich. Hier wird derzeit auf dem Hunziker Areal ein Projekt mit 400 Genossenschaftswohnungen für etwa 1‘100 Bewohner umgesetzt, welches sich nicht nur durch eine optimale Energieeffizienz auszeichnet. Basis für die Entwicklung des Hunziker Areals waren insbesondere die Ziele der 2‘000-Watt-Gesellschaft.

Das Ziel dieses nachhaltigen Modells ist es, die Energieversorgung vornehmlich auf Basis von Erneuerbaren Energien zu ermöglichen und den Energieverbrauch im Alltag drastisch um zwei Drittel zu senken. Das ist nicht nur gut für die Umwelt und spart immens Ressourcen ein, denn letztlich profitiert jeder durch merklich sinkende Nebenkosten. Entwickelt wurde dieses realistische Konzept von Wissenschaftlern der ETHZ, der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Realistisch aus dem Grund, da die technischen wie baulichen Voraussetzungen längst vorhanden sind und diese nun in immer mehr Schweizer Bauprojekten Umsetzung finden.

Wie das Hunziker Areal die Ziele der 2‘000 Watt-Gesellschaft erreichen will

Der Name ist Programm. Nach dem Zusammenschluss mehrerer Züricher Wohnungsbaugenossenschaften in dem Verbund «mehr als wohnen» wurde ein nachhaltiges Konzept für ein neues Wohnquartier entwickelt, das allen Generationen gerecht wird. Die Menschen sollten ökologisch und energieeffizient wohnen. Hierzu wird die Abwärme eines Zürcher Rechenzentrums verwendet. Reicht dies nicht aus, kann zusätzlich Energie von einem Kerrichtkraftwerk bezogen werden. Dies solle reichen für die in Minergie-P-Standard gebauten Häuser. Ziel: Weniger Energie verbrauchen, um möglichst unter der Zielvorgabe der 2‘000-Watt-Gesellschaft zu liegen.

Auch der Flächenverbrauch soll minimiert werden. In den letzten 40 Jahren hat sich der Wohnflächenbedarf in der Schweiz verdoppelt auf heute nunmehr durchschnittlich 50 Quadratmeter pro Kopf. In der Siedlung wurde mit 35 Quadratmetern pro Person gerechnet. Dabei helfen nicht nur eine effizient Raumplanung, sondern auch Angebote wie Wohnungsgemeinschaften, die sich nicht nur eine Küche teilen – angedacht sei übrigens auch eine WG «55plus» - oder Clusterwohnungen, die eine Mischung aus WG und eigener Wohnung sind. Kleinstküche und Nasszelle inklusive. Wer mehr Raum benötigt, etwa als Unterstellplatz oder für das platzintensive Hobby, kann zusätzlichen Raum auf dem Hunziker Areal anmieten.

Zürich, die 2000 Watt Gesellschaft und energieeffizient wohnen

Etwa 400 sehr durchdacht geplante Wohnungen und viele unterschiedliche Gewerbe machen das Hunziker Areal beinahe zur Stadt in der Stadt. Foto: © mehr als wohnen

Neben dem energieeffizienten Wohnen und einem geringeren Flächenverbrauch werden die zukünftigen Bewohner in einer nahezu autofreien Siedlung leben. Nur etwa 160 Parkplätze wird es für die Anwohner geben, vorzugsweise für Berufstätige, die nicht auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen können, oder immobile Menschen.

Der Verzicht auf ein Auto – in Zürich besitzen bereits 40 Prozent der Haushalte kein Auto – soll durch die Ansiedlung diverser Gewerbe leichter gemacht werden. Dies solle von der Arztpraxis bis zum Restaurant und vom Bed & Breakfast bis zur geplanten Bionudelmanufaktur reichen. Räumlichkeiten von 30 bis 425 Quadratmetern Fläche sind hierfür geplant. Etwa 150 Arbeitsplätze würden hierdurch entstehen.

Ab Oktober 2013 können sich Interessenten, die in diesem Quartier wohnen möchten, bei der Genossenschaft mehr als wohnen anmelden. Ab Herbst 2014 sind die ersten Genossenschaftswohnungen dann bezugsbereit. Und der Preis? Der ist heiss. Denn eine vierköpfige Familie kann sich im Hunziker Areal für unter 2‘000 Franken einmieten.

Quelle: www.mehralswohnen.ch, Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann