Erstes Minergie-A-Eco-Haus aus Luzerner Weisstanne

Das erste Mehrfamilienhaus in Minergie-A-Eco-Bauweise ist seit kurzem in Kriens LU zu finden. Dieser nachhaltigste Minergie-Standard fängt bei der Verwendung regionaler Baustoffe an, reicht über einen geringen Energieverbrauch, bis hin zu einem einfachen Recycling, wird das Gebäude einmal nicht mehr verwendet.

Einzigartiges Mehrfamilienhaus in Minergie A Eco Standard
Der Energieverbrauch wird beim Minergie A Baustandard auf ein Minimum reduziert. Foto: © Gabriel Ammon / AURA
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Im Zentrum der verschiedenen Minergie-Standards steht der geringe Energieeinsatz und wohnlicher Komfort. Je nach Kategorie steigen die Anforderungen. Und wer im anspruchsvollen Minergie-A-Eco-Standard bauen möchte, muss sich richtig was einfallen lassen. So wie die Bauherren und die für den Bau des Mehrfamilienhauses Kirchrainweg verantwortlichen Architekten der aardeplan AG in der Gemeinde Kriens. Mit diesem Bauprojekt entstand ein ökologisches Holzhaus, das schweizweit kaum vergleichbaren Wohn- und Arbeitsraum bietet und in der Zentralschweiz bis dato einmalig ist.

Regionale Baustoffe für ein nachhaltiges, ökologisches Holzhaus

Die wichtigsten Eckpunkte des vielfältig nachhaltigen Bauprojekts: Minimaler Energiebedarf nach Minergie-A-Standard, umweltfreundliche und regionale Baustoffe, Vermeidung von Umwelt- und Wohnraumgiften sowie ein kleinstmöglicher Einsatz an Grauer Energie. Graue Energie beziffert in diesem Fall jene Energiemenge, die von der Herstellung der Baustoffe bis hin zum möglichen Recycling des Hauses benötigt wird. Und diese ist hier vergleichsweise mehr als gering.

Allen Anfang macht der kleine Aushub, der nötig war, um das Minergie-A-Eco-Haus in Hanglage und auf dem ehemaligen Gelände einer Holzwerkzeugfabrik überhaupt zu errichten. Für das Tragwerk und für die Fassade des ökologischen Holzhauses wurde regional geschlagenes Holz, Luzerner Weisstanne, verwendet. Deren Erscheinungsbild fügt sich ideal in das Stadtbild bestehend aus Alt- und Neubauten ein.

Lediglich das Eingangs- und Loftgeschoss sowie das Treppenhaus wurden in Massivbauweise ausgeführt, jedoch aus Recyclingbeton, der ressourcen- und energiesparend hergestellt wird und nebenbei Mülldeponien entlastet. Die Energiegewinnung im Minergie-A-Eco-Haus geschieht mittels Wärmepumpe und Photovoltaik. In Kombination mit einer optimalen Isolierung und Wohnraumbelüftung wird letztlich weniger Energie benötigt, als es die Anforderungen der 2000-Watt-Gesellschaft vorgeben. Der Energiebedarf zum Heizen ist sogar geringer als jener für die Warmwasserbereitung.

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Pionier: Ein Mehrfamilienhaus im Minergie A-Eco Standard

In Kriens im Kanton Luzern ist ein bisher einzigartiges Bauprojekt realisert worden: Ein Mehrfamilienhaus, das ganz und gar dem besonders energieeffizienten und ökologischen Minergie A-Eco Standard entspricht. Wir zeigen die Besonderheiten und Materialien des neu entstandenen Wohnhauses. Foto: © Gabriel Ammon / AURA

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Gesunde Innenräume, innovative Ideen und soziale Aspekte

Das ökologische Mehrfamilienhaus in Kriens soll nicht nur Ressourcen und Energie einsparen, es muss für den MInergie-A-Eco-Standard gleichzeitig ein gesundes Raumklima bieten. Dies wurde erreicht, neben der Verwendung von unbehandeltem Holz als Hauptbaustoff, durch den Verzicht auf lösemittelhaltige Werk- und Klebstoffe sowie Anstriche. Mechanische Verbindungen und natürliche Materialien wurden bevorzugt. Das vereinfacht letztlich auch das Rezyklieren.

Durchdacht bis ins Detail, sind selbst die Fenster nicht mit dem sonst üblichen Montage- und Füllschaum eingepasst. Stattdessen wurden die grosszügig bemessenen Fenster mit Seidenzopf fixiert und abgedichtet. Ein weiterer Vorteil dieser Methode neben gesundheitlichen und Umwelt-Aspekten: Ein Austausch der Fenster ist besonders einfach durchzuführen.

Zudem wurde darauf geachtet, dass die Strahlenbelastung durch Stromleitungen möglichst gering ist und minimaler Wärmeverlust bei der Warmwassernutzung entsteht durch möglichst kurze Leitungen. Sollte die Haustechnik einmal modernisiert werden, geht das hier auch besonders einfach. Denn ein aufwändiger meist nötiger Eingriff in das Tragwerk wurde bei der Planung des ökologischen Holzhauses vermieden.

Komfort für alle Generationen und nachhaltige Mobilität

Der Minergie-A-Eco-Standard setzt zudem voraus, dass eine optimale Flexibilität bei der Nutzung gegeben ist. Das Konzept des Holzhauses sah daher vor, dass die Raum- und Tragstruktur leicht an sich ändernde Bedürfnisse angepasst werden kann und etwa ein vom Entrée aus separat zugänglicher Raum mit Bad separat vermietet werden oder mal der Grossmutter im Alter als Wohnbereich dienen kann.

Die Beleuchtung schon im Eingangsbereich ist so ausgelegt, dass selbst Menschen mit Sehschwäche sich gut zurechtfinden. Alle Bereiche des Hauses sind auch dank eines Lifts selbst für Rollstuhlfahrer zugänglich, behindertengerechte Toilette inklusive. Durch diese und weitere Details können hier im Idealfall mehrere Generationen barrierefrei, wohngesund und energieeffizient zusammen wohnen. So wie es einst üblich war.

Schliesslich ist das schicke Holzhaus im Minergie-A-Eco-Standard so zentral gelegen, dass der Einkauf ohne eigenes Fahrzeug, und die kurze Fahrt zur Arbeit oder die längere Reise, problemlos mit den nahegelegenen, öffentlichen Transportangeboten bewältigt werden können. Auch das gehört zu einem rundum nachhaltigen Konzept.

Nicht umsonst heisst es in der Baubeschreibung der aardeplan AG: «Gute Architektur ist mehr als gute Ästhetik».

Quellen: aardeplan AG, Minergie, 4eplus.ch, Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann