Beat Jans: «Nachhaltigkeit ist zu meinem Beruf geworden»

Beat Jans setzt sich mit «ecos», einem Beratungsunternehmen für nachhaltige Entwicklung, und als SP-Nationalrat für mehr Umweltschutz ein. Mit nachhaltigleben.ch spricht er über die Herausforderung, dass arme Menschen nicht unter der Energieverteuerung zu leiden haben.

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Beat Jans ist Mitinitiant der Cleantech-Initiative, Fotoquelle: beatjans.ch
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Beat Jans Nähe zur Natur widerspiegelt sich in seiner Ausbildung und seinem beruflichen Werdegang. Auf seinen Lehrabschluss als Landwirt folgte das Diplom als Agrotechniker und später das Studium der Umweltnaturwissenschaften. Heute leitet Beat Jans das Beratungsunternehmen «ecos», welches Unternehmen, öffentliche Institutionen, Verbände, Gemeinden, Kantone, Stiftungen und Ämter in Projekten zur Nachhaltigen Entwicklung unterstützt.

Neben seinem beruflichen Engagement setzt sich Beat Jans auch auf politischer Ebene als Nationalrat der SP für mehr Umweltschutz ein. Die Cleantech-Initiative ist ihm dabei ein grosses Anliegen. Unter einer Cleantech-Wirtschaft sind Firmen zu verstehen, die in irgendeiner Form zur umweltfreundlichen Energiegewinnung beitragen. In diesem Wirtschaftszweig sieht Jans ein grosses Potenzial für die Zukunft. Damit dieses ausgeschöpft wird, braucht es aber seiner Ansicht nach staatlichen Druck auf die Wirtschaft. Die Cleantech-Initiative der SP will im Gesetz niedergeschrieben haben, dass sich die Schweiz ab dem Jahr 2030 mindestens zur Hälfte mit erneuerbarer Energie versorgt. Von der Realisierung dieser Forderung versprechen sich die Initianten 100 000 neue Arbeitsplätze.

Im Interview mit nachhaltigleben.ch spricht Beat Jans über seine Erlebnisse in Haiti und Paraguay, die ihn motivierten, sich für eine nachhaltigere Gesellschaft einzusetzen.

Wer ist Ihr ökologisches Vorbild? Und was zeichnet dieses Vorbild für Sie aus?

Unterschiedlichste Menschen haben mich beeindruckt. Dazu gehören Mahatma Gandhi, Dalai Lama, Martin Vosseler oder Andrea Hämmerle. Sie alle verbinden Charisma mit Engagement und persönlicher Konsequenz.

Wie stark hat die in den letzten Jahren zunehmende Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit Ihr Leben verändert?

Sie ist zu meinem Beruf geworden und die entscheidende Motivation für meinen politischen Einsatz.

Was motiviert Sie, sich für Nachhaltigkeit einzusetzen?

Entscheidend für mich waren meine Erfahrungen in Haiti und Paraguay. Ich arbeitete dort als junger Agrotechniker für Helvetas mit Kleinbauern. Die natürlichen Ressourcen dieser Länder sind über weite Gebiete übernutzt und zerstört. Die Folgen für die Menschen sind verheerend. Diese Erlebnisse haben mich tief beeindruckt und treiben mich noch heute an. Ich kehrte dann in die Schweiz zurück um Umweltnaturwissenschaften zu studieren und engagiere mich seither für mehr Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Politik.

Wie verhält sich Ihre Familie, wenn es um Nachhaltigkeit geht? Gibt es diesbezüglich Diskussionen am Familientisch?

Meine Töchter sind noch klein, fragen viel und verstehen noch wenig. Wir verbringen viel Zeit um ihnen zu erklären, was Verschwendung ist, warum «Littering» schlecht ist und warum wir im Gegensatz zu ihren Freunden kein Auto haben. Es ist schön zu sehen, wie sie diese Dinge beschäftigen. Kürzlich mahnte mich meine ältere Tochter, das Licht zu löschen. Das war ein Lichtblick, im wahrsten Sinn des Wortes.

Für welche persönliche Öko-Sünde schämen Sie sich am meisten? Und warum begehen sie diese trotzdem?

Meine grösste Sünde habe ich bis heute nie bereut. Es war, als ich mich in meine heutige Frau verliebte. Sie ist Amerikanerin. Die Verwandtenbesuche schlagen sich heute in unserer Ökobilanz natürlich sehr negativ zu Buche. Immerhin fährt meine Frau seither nicht mehr Auto und fliegt weniger als bevor wir zusammen lebten.

Angenommen, eine nachhaltigere Gesellschaft wäre nur mit persönlichem Verzicht machbar. Auf was würden Sie verzichten?

Wir müssten wohl genau diese Verwandtenbesuche reduzieren.

Was für ein nachhaltiges Produkt oder welche nachhaltige Dienstleistung würden Sie sich wünschen?

Mehr Betriebe wie der Bauernhof «Agrico» in Therwil. Dieser Genossenschaftsbetrieb beliefert etwa 300 Haushalte mit saisongerechten regionalen und erst noch preiswerten Bio-Lebensmitteln. Die Kunden sind als Genossenschafter Besitzer des Betriebes und bestimmen über dessen Ausrichtung mit. «Agrico» ist einer der wenigen Landwirtschaftsbetriebe, der gute und faire Arbeitsbedingungen für die Angestellten kennt.

Was wäre Ihr dringendster Wunsch an die Politik zur Förderung einer nachhaltigeren Gesellschaft?

Es muss uns irgendwann gelingen, die natürlichen Ressourcen in der volkswirtschaftlichen Buchhaltung abzubilden. Heute messen wir den Wohlstand mit dem Marktwert aller Güter und Dienstleistungen. Das nennt sich Bruttoinlandprodukt (BIP). Der Abbau von natürlichen Ressourcen, der Verlust an Biodiversität, an sauberer Luft, an Kulturland oder stabilem Klima wird im BIP nicht abgebildet. Wir tun so, als würde unser Wohlstand steigen, obwohl wir laufend lebenswichtiges Kapital vernichten. Verschiedene wissenschaftliche Institute arbeiten weltweit daran, diesen Widerspruch durch eine transparente Buchhaltung aufzulösen. Wenn das gelingt, dann werden ökologische Steuer- und andere Reformen politisch viel leichter durchsetzbar sein.

Was planen Sie persönlich in den nächsten 2 Jahren, um eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen?

Ich werde dafür kämpfen, den Anteil der erneuerbaren Energien rasch zu steigern und den Landverbrauch durch Überbauung zu bremsen. Die Cleantech-Initiative und die Landschaftsinitiative sind jetzt im Parlament und kommen vielleicht bald zur Abstimmung. Bei beiden Initiativen war ich von Anfang an mit dabei. Jetzt müssen wir sie gewinnen.

Worin sehen Sie in den kommenden Jahren die grössten Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklung?

Öl, Gas, Uran, Wasser...viele Ressourcen werden immer teurer. Entweder weil sie knapp werden oder weil eine vorausschauende Politik eine Verteuerung über Lenkungs- oder Förderabgaben nötig macht. Die grosse Herausforderung wird sein, dass diese Verteuerungen nicht zu sozialen Härten führt. Arme Menschen können sich steigende Preise nicht leisten. Deshalb sollen die Energieverteuerungen möglichst über Lenkungsabgaben erfolgen. Diese werden pro Kopf an die Bevölkerung zurück verteilt. Zu einer nachhaltigen Umweltpolitik gehört eben immer auch eine nachhaltige Sozial- und Wirtschaftspolitik.

Nachhaltige Lösungen haben oft ästhetische Beeinträchtigungen zur Folge, wie zum Beispiel Solarzellen im historischen Stadtbild. Wo sollte man die Grenze ziehen?

Die Schweizerische Gesetzgebung bietet hier hervorragende Instrumente um diese Grenze zu ziehen. Die vom Bundesrat bezeichneten Biotope und Landschaften von nationaler Bedeutung sollten von Windkraftanlagen frei gehalten werden. National geschützte Gebäude sollten nur Solardächer erstellen, die optimal eingepasst sind. Diese einfachen Einschränkungen lassen ein grosses Wachstum an Erneuerbaren Energien in der Schweiz zu, ohne unsere Kultur- und Naturdenkmäler zu beeinträchtigen.

Wem würden Sie selbst die letzten 11 Fragen gern stellen? Und warum?

Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker. Er ist ein Vordenker der Nachhaltigkeit. Ich kenne wenige Gesprächpartner zu diesem Thema, die so spannend und überzeugend sind.

Quellen: www.beatjans.ch, www.cleantech-initiative.ch, Text: Marco Stocker