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Recycling von Kunststoffen ist eine umweltfreundliche Einweglösung

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Früher landeten Bio- und Kunststoffabfälle ungetrennt im Kehrichtsack. Heute sind Schweizer wahre Weltmeister im Recycling von Kunststoffen. Die Plastik-Entsorgung leistet einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz. Neuerdings gibt es Bioplastik - ist das eine nachhaltige Alternative?

PET-Flaschen werden gesammelt und wiederverwertet.

In Schweizer Haushalten werden mehr als die Hälfte an Plastik und PET-Verpackungen stofflich entsorgt. © WavebreakmediaMicro - Fotolia.com

Ein Alltag ohne Plastik ist undenkbar. Deshalb überrascht es nicht, dass im letzten Jahr jeder Schweizer 125 Kilogramm Kunststoff verbrauchte. Landesweit kamen so eine Million Tonnen an Plastikabfällen zusammen. Davon machten Verpackungen allein einen Drittel aus. Doch Kunststoffe sind wertvolle Materialien, die aus Erdöl herstellt werden und deshalb nicht in den Haushaltsmüll gehören. Mit dem Recycling von Kunststoffen spart man Rohstoffe, Kosten, Energie und Umweltbelastungen wie Kohlendioxid. Trotz der Masse an Plastikabfällen hat die Schweiz eines der günstigsten Recyclingsysteme der Welt - ohne dabei den Umweltschutz einzuschränken.

Kunststoff-Recycling: neue Plastikflaschen, synthetisches Öl oder Strom

Kunststoffabfälle verwertet man stofflich oder thermisch. In Schweizer Haushalten werden mehr als die Hälfte an Plastikverpackungen stofflich entsorgt. Grundvoraussetzung dafür ist die sortenreine Trennung, so wie man es bereits bei PET-Flaschen umsetzt. Beim werkstofflichen Recycling wird das gesammelte PET-Material gereinigt, zerkleinert und geschmolzen. Daraus entstehen Granulate, aus denen neue Flaschen (Bottle-to-Bottle) entstehen. Wurde das recycelte Plastik mit anderen Kunststoffarten verunreinigt, nutzt man es für weniger hochwertige Produkte wie z. B. Gartenbänke. Beim chemischen Recycling von Kunststoffen spaltet man es in seine Grundbestandteile, sodass rohstofflich verwertbare Wachse, Gase, Diesel oder Öle entstehen. Der gesamte Vorgang - von der Sammlung bis zum Spaltprozess - erfordert jedoch viel Energie, sodass sich das stoffliche Recycling von Kunststoffen nicht immer lohnt. Nicht wieder verwertbares oder nicht verwertetes Plastik verbrennt man dann in Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA). In jedem Jahr werden bis zu 400.000 Tonnen thermisch genutzt. Daraus entstehen Wärme und Strom. Auch die schweizerischen Zementwerke verwenden etwa 250.000 Tonnen Plastikabfälle jährlich und reduzieren so den Kohlebedarf um etwa 200.000 Tonnen.

Recycling von Kunststoffen: Umweltfreundliches Einweg

PET ist die Abkürzung für Polyethylenterephthalat. Bekannt ist es als PET-Flasche, von denen sich 2010 über 1,2 Milliarden schweizweit verkauften. Davon konnte PET-Recycling Schweiz mehr als 80 Prozent wiederverwerten. Der Rest wanderte in den Hausmüll oder wurde von einigen Händlern ins Ausland verkauft. Dass die Kunststoffwiederverwertung umweltschonend ist, bestätigte die BAFU. Im Rahmen einer Studie fand man heraus, dass PET-Recycling und das Glas-Mehrwegsystem ökologisch gleichwertig sind. Wird ein Kilo PET rezykliert, spart man mehr als drei Kilogramm an Kohlendioxid. Deshalb konnten die Schweizer im letzten Jahr den CO2-Ausstoss um 139.000 Tonnen reduzieren. Diese Methode spart zudem die Hälfte an Energie ein. Aus dem Material entstehen nicht nur neue Flaschen (Bottle-to-Bottle), sondern u.a. auch Kleidung und Verpackungen, die sich für Lebensmittel sowie Kosmetika eignen.

Kosten für das PET-Recycling

Beim Kunststoffrecycling ist die flächendeckende Sammlung und Wiederverwertung von PET-Flaschen eine Ausnahme. Im letzten Jahr konnten dadurch 36.637 Tonnen wiederverwertet werden. Aus Sicht von PET-Recycling Schweiz ist das Geschäft unrentabel. Seit 2007 hat der Verein ein Minus von über 3,5 Millionen Franken erwirtschaftet und rechnet erst in diesem Jahr mit schwarzen Zahlen. Obwohl die Verbraucher eine vorgezogenen Entsorgungsgebühren von 1,8 Rappen pro Flasche zahlen, reichen die zusätzlichen Erträge aus Verkauf und Recycling noch nicht aus, um die gesamten Kosten zu decken. Man muss in eine Tonne entsorgtes PET rund 600 Franken investieren, auch wenn der geschlossene Wiederverwertungskreislauf weitere Kosten für die Sortierung oder die Reinigung von verschmutzen Kunststoffen spart. Hingegen kostet die Verbrennung einer Tonne Siedlungsabfall im KVA nur 280 Franken. Da man Umwelt und Ressourcen schont, lohnt sich der vergleichsweise hohe Mehraufwand von Kunststoff-Recycling. Dennoch ist die BAFU überzeugt, dass es eine Separatsammlung und stoffliche Wiederverwertung von Plastik nicht um jeden Preis geben sollte.

Kunststoff-Wiederverwertung ist nachhaltiger als die Verwendung von Bio-Plastik.

Bioplastik ist keine nachhaltigere Lösung als das herkömmliche Recyceln von PET-Flaschen. Foto: © Acik - Fotolia.com.

Bio statt Kunststoff-Wiederverwertung: Ist Bioplastik wirklich nachhaltiger?

Bioplastik wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Heutzutage sind sie noch selten im Alltag zu finden. Obwohl es auch biobasierte, nichtkompostierbare Plastik gibt, stossen besonders die abbaubaren Kunststoffe auf Interesse. Man stellt sie mit Zellulose, Zucker und vor allem mit Stärke her, die aus Mais oder Kartoffeln gewonnen werden. Doch sollen dabei gentechnisch veränderter Mais und bis zu 50 Prozent fossile Zusatzstoffe zum Einsatz kommen. In Europa wird Bioplastik für Verpackungen, Einweggeschirr, Folie, Flaschen, Abfallsäcke und Gemüseschalen verwendet. Das gut funktionierende Kunststoff-Recycling könnte ins Wanken geraten, befürchten Vertreter der Recyclingbranche. Sollten sich die beiden Stoffe vermischen, käme es zu einer minderen Materialqualität. Bisher stellte eine Studie fest, dass Becher aus Bio-Kunststoff ein umweltbelastendes Wegwerfprodukt sind. Wer die Umwelt schützen möchte, sollte weiterhin Mehrwegbecher nutzen. Weitere Studien belegen, dass Bioplastikgefässe vergleichbar mit herkömmlichen Kunststoffverpackungen sind. Auch wenn Bioplastik kompostierbar ist, entsteht dabei nicht wie gewöhnlich Humusboden. Weiterer Nachteil: Da der Zerfallsprozess bis zu 80 Tagen dauert, nehmen industriell arbeitende Kompostwerke keine Biokunststoffe an. Damit Biokunststoff nachhaltiger werden kann, müssen die Rohstoffe oder Reststoffe aus der Bio-Landwirtschaft stammen. Dafür entwickelt ein Lebensmittelkonzern mit Hauptsitz in der Schweiz eine neue Art der Bioplastik, die u.a. aus Holz oder aus Agrarabfällen besteht.

Obwohl das Recycling von Kunststoffen die Umwelt schont, ist der beste Weg, von vornherein Verpackungsmaterialien einzusparen. Statt einer Einweg-Plastik-Einkaufstüte können Verbraucher einen Leinenbeutel oder einen Bastkorb verwenden. Auch bieten verschiedene Anbieter Nachfüllpackungen von Putzmitteln oder Kosmetika an. Wer den Verbrauch an Kunststoffflaschen einschränken möchte, kann einfach Leitungswasser trinken. Das spart jährlich viele PET-Flaschen und verkürzt den Weg zur Sammelstelle.

Wie genau das aussieht, wenn PET aus alten PET Flaschen neue entstehen, Sehen Sie hier.

Weiterführende Links:

  • PUSCH-Positionen - Der Praktische Umweltschutz gibt Informationen zu Recycling von Kuns
  • KVS - Der Kunststoff Verband Schweiz setzt sich für die Interessen der der schweizerischen Kunststoff Industrie ein.

 

 

Text: Kerstin Borowiak, Quellen: REDILO, ETHZ, PUSCH, Wikipedia, BAFU/Magazin Umwelt, PET Recycling, KVS, Nestle, DUH


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