Warum die faire Bio-Jeans einfach besser ist

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Fast jeder hat sie zu Hause im Schrank hängen. Doch kaum einer weiss, wie umweltschädlich und menschenverachtend viele Jeans hergestellt werden. Dabei geht es auch fair oder sogar in Bio-Qualität. Und das oft ohne Aufpreis. 

Bio-Jeans: Warum sie so viel besser ist
Foto: © Thomas_Zsebok_Images / iStock / Thinkstock

«Das Jeansgeschäft ist eines der schmutzigsten», heisst es auf der Internetseite der Marke bleed clothing, die bereits seit 2008 nachhaltige Kleider produziert. Und damit hat das Unternehmen nicht ganz Unrecht. Denn die Herstellung der beliebten Hosen, Jacken und Accessoires kann so einige Chemie in die Umwelt schleudern und findet für die Arbeiter oft unter menschenverachtenden Bedingungen statt.

Warum die normale Jeans so unfair und schädlich sein kann

Bei der Jeansproduktion wird es schon mal giftig, und das nicht zu knapp. Das beginnt schon beim Anbau der dafür gebrauchten Baumwolle. Kunstdünger, Pestizide und andere Umweltgifte kommen hier häufig in rauen Mengen zum Einsatz.

Ebenso wird beim Veredeln der Jeans nicht mit Chemikalien gespart. Um zu färben oder beispielsweise den coolen Used-Look zu verpassen, landen so einige Giftstoffe in Hosen und Co. – und danach werden sie ungefiltert in die Umwelt abgeleitet. Deshalb findet die Produktion vieler Jeans auch nicht innerhalb Europas statt, sondern in Ländern, wo die Gesetze für den Naturschutz weniger streng sind. 

Die Arbeiter in den Fabriken hantieren so nicht nur mit grossen Mengen an Schadstoffen. Sie tun dies auch in vielen Fällen schlecht oder gar nicht geschützt. Und von fairen Löhnen sind die Arbeiter hier, wie in anderen Bereichen der Textilindustrie, meist weit entfernt.

Dabei muss es übrigens keine Rolle spielen, ob Sie zur No-Name-Jeans im Schnäppchenmarkt oder zu einer richtig teuren Markenjeans im  Designerladen greifen. Denn teilweise kommen diese ungleichen Paare aus ähnlicher Produktion.

Was bei fairen und Bio-Jeans anders ist

Bio-Jeans sind aus biologisch erzeugter Baumwolle. Der Umweltschutz beginnt hier bereits beim Saatgut. Dieses wird weder genmanipuliert noch chemisch behandelt. Weiterhin bedeutet das «bio» auf der Jeans, dass für die Aufzucht der verwendeten Baumwolle keine Pestizide genutzt werden. Schädlinge werden stattdessen mit natürlichen Duftlockstoffen bekämpft und der Acker mit der Hacke und nicht mit Sprays vom Unkraut freigehalten.

Solche Bio-Baumwolle, die ökologisch angebaut und gewonnen wird, erhält den Zusatz «kbA», kontrolliert biologischer Anbau. Überprüft wird der umwelt- und menschenfreundliche Anbau durch unabhängige Institute. Noch besser ist die Zertifizierung nach GOTS-Richtlinien, die der Konsument an einem grünen Kreis erkennt, in dem sich ein weisses Hemd befindet.

Doch auch im weiteren Produktionsprozess vermeidet die Herstellung der Bio-Jeans nach Möglichkeit Chemikalien. Fair ist die Jeans zudem, wenn die Hersteller auf gerechte Löhne und vernünftige Arbeitszeiten achten. Die sonst häufig vorkommende Kinderarbeit dulden faire Produktionen ebenso nicht.

Übrigens: Um die 11'000 Liter Wasser können für die Produktion einer konventionellen Jeans schon mal anfallen. Bei Bio-Jeans ist das oft deutlich weniger, weil keine giftigen Chemikalien ausgespült werden müssen und bei der Herstellung insgesamt auf nachhaltige Aspekte geachtet wird.

Welche Jeans-Marken bereits auf eine nachhaltige Produktion achten

Die oben genannte Firma bleed clothing hat beispielsweise einen eigenen Online-Shop der Damen- und Herrenmode in alle Welt schickt. Bio-Jeans von bleed sind auch in Schweizer Geschäften und online, wie etwa auf Naturfaser.ch, erhältlich.

Weitere Marken, die Bio-Jeans in der Schweiz verkaufen oder hierher versenden, sind Armedangels, Kings Of Indigo (nutzen teilweise Recycling-Stoffe), SEY – premium organic denim (nur Frauen), KUYICHI (nutzen teilweise Recycling-Anteil) oder Nudie Jeans (nur Männer),

Zudem bietet der Onlineversender Hessnatur.com eine breite Auswahl an Bio-Jeans für Frauen, Männer und Kids, ebenso wie Vivanda-Versand.ch (Männer- und Frauen-Bio-Jeans). Und auch Detailhändler wie COOP haben den Bio-Modemarkt entdeckt und bieten Bio-Jeans im Rahmen ihres Naturaline-Sortiments.

Viele der fairen und Bio-Jeans werden in Europa gefertigt. Und teurer als konventionelle Modelle müssen sie auch nicht ungedingt sein. Denn so manche schmutzig hergestellte Marken-Jeans kostet deutlich mehr.

Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann