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Kosmetik: Es geht auch ohne Tierversuche

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Um unerwünschte Nebenwirkungen von Kosmetika auszuschliessen, gab es lange nur den Weg über Tierversuche. Heute werden in der Schweiz für Kosmetik offiziell keine Experimente an Tieren mehr toleriert. Die Krux dabei: Das Verbot gilt meistens nur für Endprodukte und nicht für deren Inhaltsstoffe. Man kann solche Produkte aber umgehen.

 

Muss man sich am Morgen beim Eincremen des Gesichtes seiner «Feuchtigkeitscrème für trockene Haut mit wertvollen Pflegestoffen» Sorgen darüber machen, wie viele Tiere dafür gestorben sind? Ja und Nein. Tatsache ist, dass es in der medizinischen Forschung immer schon zu Tierversuchen kam. Laut Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) werden jedoch in der Schweiz zur Herstellung von Kosmetik keine Tiere mehr «verwendet». Ausdrücklich verboten, wie in der EU, ist es jedoch nicht. Die Problematik hierbei: Auch wenn das kosmetische Endprodukt nicht an Tieren getestet wurde, heisst das nicht, dass für seine verschiedenen Inhaltsstoffe keine Tierversuche durchgeführt wurden. Für den Konsumenten ist es daher schwer herauszufinden, für welche Kosmetika wirklich keine Tiere leiden mussten.

In der Schweiz muss jeder einzelne Tierversuch von einer kantonalen Tierversuchskommission abgesegnet werden. Trotzdem werden laut dem BVET jedes Jahr immerhin um die 700 000 Tiere zu Versuchszwecken benutzt. Die meisten davon waren Nagetiere wie Mäuse, Ratten, Hamster oder Meerschweinchen.

Zweifelhafte Tierversuche

Wieso aber kommt es denn zu den zweifelhaften Tierversuchen? Der springende Punkt ist, dass neue Substanzen getestet werden müssen, bevor sie beim Menschen eingesetzt werden können. In gewissen Fällen ist das sogar gesetzlich vorgeschrieben. So sagte Thomas Cueni, Generalsekretär von Interpharma: «Es gibt kein Medikament, das in der Schweiz ohne Tierversuche zugelassen worden wäre. Bei jedem neuen Medikament oder Wirkstoff müssen wir Nebenwirkungen testen. Unsere Forschung dient deshalb nur dem Schutz des Menschen.»

Natürlich sehen das nicht alle so. Beda Stadler, Professor für Immunologie an der Universität Bern sagt: «Wenn die Tiere komplett anders sind als wir Menschen, dann nützen die Versuche nichts. Wenn sie gleich sind wie wir, gleiche Gefühle und Emotionen haben, dann dürfen wir mit ihnen nur das machen, was wir uns auch selber zufügen würden.» Tatsache ist nämlich, dass die Testresultate oftmals nicht direkt vom Tier auf den Menschen übertragen werden können. Der Nutzen von Tierversuchen kann also in Frage gestellt werden. Dieser Meinung ist auch Andreas Item, Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner. Zudem unterstellt er der Pharmaindustrie unnötige Tests: «Die Pharmaindustrie bringt Medikamente auf den Markt, die sich gut verkaufen. Ist also das Leiden der Tiere zur Erforschung des 200. Cholesterinsenkers, des 300. Husten-Saftes gerechtfertigt? Diese Güterabwägung müssen wir machen.» Viele der chemischen Rohstoffe mit denen Kosmetika hergestellt werden, sind nämlich schon getestet. Wieso also erneut testen.



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