Läuse für die Lippen und Co: So viel Tier steckt in Kosmetik

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Wussten Sie, dass in Ihrem Lippenstift wahrscheinlich Läuse stecken, Insekten im Shampoo oder auch Fische im Make Up? Wo tierische Bestandteile in Kosmetik zu finden sind und wie man sie umgehen kann.

Karmin für Lippenstifte: Tierisches in Kosmetik, pro und contra
Foto: © Pixland, iStock, Thinkstock

Karmin oder karminrot ist einer der ältesten Farbstoffe überhaupt. Er wird aus der Kermes- oder Cochenille-Schildlaus gewonnen. Sowohl die weiblichen Läuse als auch deren Eier, die sie auf Wirtspflanzen wie dem Feigenkaktus ablegen, geben beim Zerdrücken den leuchtend roten Farbstoff ab.

Als E 120 wird er heute neben Kosmetik auch in Lebensmitteln verwendet, färbt Fruchtgummis, einst Campari oder auch Ostereier. Im Lippenstift nennt sich Karmin dagegen CI 75470.

Künstlicher Stoff ersetzt heute oft Karmin

Der künstliche Ersatz für Karmin hat die Bezeichnung E 124, wird in Kosmetik – dort heisst er dann CI 16255 – und Lebensmitteln verwendet. Jedoch wird auch diese Zutat oft kritisiert, denn die Farbe gehört zur Gruppe der Azofarbstoffe, die im Verdacht stehen krebserregend zu wirken. Die Fachzeitschrift Ökotest wertet deshalb regelmässig Produkte mit diesem künstlichen Karmin-Farbstoff ab.

Wer übrigens die obigen Codes mal in die Suchfunktion des unabhängigen Verbraucherportals codecheck.info eingibt, findet sogar inzwischen wesentlich mehr Kosmetikprodukte mit CI 16255 (765 unter Zugabe vom Stichwort «Kosmetik») als mit CI 75470 (195).

Nicht nur Karmin: Wo noch Tierisches in Kosmetik steckt

Die Liste tierischer Bestandteile in Kosmetik ist endlos lang. Hier deshalb nur einige Beispiele für häufig verwendete, nicht vegane Zutaten:

  • Keratin für geschmeidiges Haar wird etwa aus Hufen oder Knochen gewonnen.
  • Lanolin ist ein Wollwachs aus den Talgdrüsen von Schafen und wird in Cremes und Nasensalben verwendet.
  • Ambra, ein Stoff, der ein Parfüm lange herrlich duften lässt, ist aus Wal-Därmen
  • Glitzer-Make-up enthält des Öfteren Schuppen von Fischen.
  • Chitin in Shampoos oder Haarfestigern besteht aus dem Panzer von Insekten oder der Hülle von Shrimps und Co.
  • Benzoesäure, die für desinfizierende Mundspülungen, Cremes oder Lotions verwendet wird, gewinnt man aus dem Urin von Wirbeltieren.

Pro und Contra von tierischen Bestandteilen in Kosmetik

Im Vergleich zu vielen künstlichen Inhaltsstoffen sind Karmin und einige andere tierische Zutaten weniger schädlich. Wer aus ethischen Gründen dennoch nichts Tierisches in seiner Kosmetik haben möchte, kann auf als vegan gekennzeichnete Produkte ausweichen. Frei von synthetischen Stoffen müssen diese zwar in der Regel nicht sein, auch ist vegane Kosmetik nicht zwingend «bio». Doch es gibt einige Siegel und Marken, die rein pflanzlich und ökologisch produzierte Produkte anbieten. Mehr dazu lesen Sie in dem Beitrag «Was vegane Kosmetik bedeutet und welche Marken es gibt».

Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann