Pssst! Welche unserer Waldbewohner wie Winterschlaf halten

Werden die Temperaturen kühler, das Nahrungsangebot knapper und sinkt die Sonnenscheindauer, dann haben einige Tiere eine clevere Strategie entwickelt: Sie schalten ihre Körperfunktion herunter und verfallen in einen Winterschlaf oder zumindest in eine zeitweise Winterruhe. Wer so alles in den Stand-by-Modus schaltet und wie man helfen kann.

Tiere im Winterschlaf: Diese Wald- und Wiesenbewohner dürfen nicht gestört werden
Mäuse gehören auch zu den Säugetieren, die über den Winter schlafen. Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Winterschlaf oder Winterruhe: Wo ist der Unterschied?

Grundsätzlich wird unterschieden in Winterschlaf und Winterruhe. Beim Winterschlaf ziehen sich einige Tiere, meist Säugetiere,  für drei bis sechs Monate zurück. Sie reduzieren ihre Körperfunktionen, sodass sie sehr wenig Energie benötigen und von Ihren Fettreserven, die sie im Herbst angesetzt haben, zehren können. Eine Fledermaus beispielsweise hat dann pro Minute maximal noch 12 Herzschläge, fährt ihre Körpertemperatur drastisch zurück und kommt so ohne Nahrung durch die Winterzeit. Einen beeindruckenden Vergleich liefert der Schweizer Fledermausschutz: Im Winter benötigt eine Fledermaus in 14 Tagen so viel Energie, wie bei nur einer Stunde Aktivität im Sommer.

Einen ähnlich tiefen Winterschlaf halten Igel, Murmeltier, Haselmaus oder Siebenschläfer, wobei diese an warmen und sonnigen Tagen unter Umständen auch mal Ihr Quartier verlassen können. Murmeltiere halten übrigens einen sozialen Winterschlaf. Ziehen sich andere Schlafmützen in einen eigenen Unterschlupf zurück, so rotten sich Murmeltiere in Gruppen von bis zu 20 Tieren zusammen, und wärmen sich eng aneinander gekuschelt dann gegenseitig. Dies soll die Überlebenschancen insbesondere von Jungtieren erhöhen.

Bild: 1 von 9

Igel sind die bekanntesten Winterschläfer in unseren Breiten. Ihr Körper läuft von November bis März auf Sparflamme, weil sie in dieser Zeit wenig bis gar keine Käfer, Würmer oder anderes zum Fressen finden. Für den Igel kann es zum Überwintern bereits hilfreich sein, wenn Sie an einem geschützten Ort einen Ast-Laub-Haufen bauen, wo sich der Igel verkriechen kann.
Manche Igel schaffen es allerdings nicht, sich genug Speck für den Winterschlaf anzufressen, oder sie sind krank. Dann brauchen sie Hilfe. Doch bevor Sie Massnahmen ergreifen, sollten Sie den Igel zuerst beobachten. Ist er aktiv und macht bei einer Annäherung oder Berührung eine Stachelkugel, ist der Igel gesund und sollte nur ins Haus gebracht werden, wenn er wirklich viel zu mager ist. Oft reicht es aber bereits, wenn Sie den Igel draussen zufüttern. Wenn Sie sich unsicher sind, fragen Sie bei der Igelstation in Ihrer Region um Rat.
Was Fledermäuse, Murmeltiere oder Haselmäuse unternehmen, um den Winterschlaf zu überstehen, erfahren Sie in dieser Bildgalerie. Foto: © Kichigin / iStock / Thinkstock

Igel sind die bekanntesten Winterschläfer in unseren Breiten. Ihr Körper läuft von November bis März auf Sparflamme, weil sie in dieser Zeit wenig bis gar keine Käfer, Würmer oder anderes zum Fressen finden. Für den Igel kann es zum Überwintern bereits hilfreich sein, wenn Sie an einem geschützten Ort einen Ast-Laub-Haufen bauen, wo sich der Igel verkriechen kann.

Manche Igel schaffen es allerdings nicht, sich genug Speck für den Winterschlaf anzufressen, oder sie sind krank. Dann brauchen sie Hilfe. Doch bevor Sie Massnahmen ergreifen, sollten Sie den Igel zuerst beobachten. Ist er aktiv und macht bei einer Annäherung oder Berührung eine Stachelkugel, ist der Igel gesund und sollte nur ins Haus gebracht werden, wenn er wirklich viel zu mager ist. Oft reicht es aber bereits, wenn Sie den Igel draussen zufüttern. Wenn Sie sich unsicher sind, fragen Sie bei der Igelstation in Ihrer Region um Rat.

Was Fledermäuse, Murmeltiere oder Haselmäuse unternehmen, um den Winterschlaf zu überstehen, erfahren Sie in dieser Bildgalerie. Foto: © Kichigin / iStock / Thinkstock

Weitere Bilder anschauen

 

Dagegen sind Tiere, die Winterruhe halten, meist nur bei extremer Kälte am Schlafen. Ihre Körpertemperatur ändert sich indes nicht. Die Strategie der mehr oder weniger ausgiebigen Winterruhe haben sich Eichhörnchen, Dachse, Marder und Braunbären zu Eigen gemacht.

So verlassen beispielsweise Eichhörnchen lediglich bei wirklich sehr frostigen Temperaturen ihre Kobel genannten Nester nicht mehr. Stattdessen geniessen sie die vergleichsweise warmen Temperaturen in ihren nahezu wasserdichten und mit Moos ausgekleideten Behausungen, von denen sie laut Wikipedia zwei bis acht in ihrem Revier aus Ästen bauen. Diesen Winterschlaf «light» machen übrigens auch Braunbären, zumindest in gemässigteren Klimazonen.

Daneben gibt es noch jene Tiere, die in eine Kälte- oder Winterstarre verfallen. Dies ist meist bei wechselwarmen Tieren wie beispielsweise bei Amphibien oder Reptilien der Fall, aber auch bei manchen Insekten. Dabei wenden diese Tiere einen ganz besonderen Trick an, um nicht zu erfrieren: Ihr Körper sammelt eine besonders hohe Konzentration an Glukose an, die, ähnlich wie das Frostschutzmittel eines Autos, verhindert, dass Körperflüssigkeiten einfrieren.

Neuere Forschungen haben zudem ergeben, dass Hirsche in einer Winternacht ihre Körpertemperatur auf 15 Grad herunterfahren, um so ebenfalls Energie in der nahrungsärmeren Winterzeit zu sparen.

Winterschlaf: So kann der Mensch helfen

Ein Lager für die Zeit zu finden ist für die Winterschläfer immer schwieriger. Fledermäuse stehen vor verschlossenen Dachgiebeln oder Igel finden kein ruhiges frostfreies Plätzchen mehr. Hilfreich ist es, an alten Häusern oder Scheunen so manchen Zugang nicht völlig dicht zu machen. Das kann der Fledermaus helfen, ein Winterquartier zu finden. Zudem gibt es spezielle Nistkästen, die ein Hausbesitzer als Fledermausunterschlupf  aufhängen kann.

Igel lieben es, sich in dichten Laubhaufen oder auch in einem ruhig gelegenen Holzstapel in den Winterschlaf zu begeben. Und so ein Winterlager ist schnell selbst gebastelt. So kann jeder Gartenbesitzer einen Laubhaufen errichten, der dicht mit Reisig abgedeckt wird. Ist mehr Platz vorhanden, dann ist auch ein grosser Holzstapel hilfreich.

Winterschlaf: «Bitte nicht stören!»

Könnten es Fledermaus und Co. machen wie so mancher Urlauber im Hotelzimmer, dann würden sie in ihrem Winterquartier ein Schild mit «bitte nicht stören!» vor ihren Unterschlupf hängen. Denn die Winterschläfer benötigen absolute Ruhe, um mit ihren Energiereserven haushalten zu können. Werden sie gestört, kommt ihr Kreislauf in Schwung, im schlimmsten Fall ergreifen sie sogar die Flucht und sind dem Tod geweiht in der nahrungslosen, kalten Jahreszeit. Daher sollte man sich von möglichen Behausungen fernhalten.

Besonders häufig gestört im Winterschlaf werden Igel. Findet man in Eiseskälte einen Igel oder wenn er krank, verletzt und abgemagert wirkt, bekommt man erste Hilfe in einigen Igelhilfsstationen wie dem Igelzentrum Zürich: izz.ch/  Wie dort gearbeitet wird, erzählt ein etwas ungewöhnliches Video des Igelzentrums Zürich:

Quellen: Fledermausschutz.ch, Wildtier.ch, Wikipedia, Jagdkritik.ch Text: JayRB