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Können wir mit der derzeitigen Energiepolitik unser Klima retten? Dieser Frage stellten sich die Experten am zweiten Tag des Swiss Energy and Climate Summit (SwissECS) in Bern. Die Prognosen der internationalen Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft sind weitgehend düster, zumindest, wenn sich nicht sofort radikale Änderungen ergeben.
Wenn alles bleibt wie bisher, steuern wir auf eine Klima-Katastrophe zu. Foto: © iStockphoto / Thinkstock
«Warum ist das so kompliziert?», «Wer weiss, wie die derzeitige Situation verändert werden kann?» Und «Warum sind die Fortschritte so langsam?», fragt die UNO-Jugenddeligierte Lucie Rousset in ihrem Vortrag. «Wir wissen, dass die Uhr tickt», ergänzt sie anschliessend und fordert nicht nur, dass die Jugend ein Mitspracherecht in der Klimapolitik erhält. Sie drängt auch darauf, dass auf gute Absichten endlich Taten folgen. Doch davon sind wir weit entfernt, wie sich anhand der Einschätzungen der am SwissECS teilnehmenden Experten zeigt.
Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur IEA am SwissECS, Foto: Bianca Sellnow
Um die Welt wie wir sie heute kennen zu erhalten, hatte die internationale Klimapolitik sich auf ein gemeinsames Ziel geeinigt. Demnach soll durch die Senkung des CO2-Ausstosses die Erderwärmung auf höchstens 2 Grad Celsius begrenzt werden. Auf welchem Wege dieses Ziel erreicht werden soll, wurde aber bisher nicht festgelegt. Doch langsam wird die Zeit knapp, wie Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur IEA am SwissECS erklärt. Das Ziel sei seiner Meinung nach kaum noch zu erreichen und er halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die internationale Klimapolitik sich noch rechtzeitig auf die Umsetzung der dafür nötigen CO2-Reduktion einige.
Ottmar Edenhofer, Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), am SwissECS, Foto: Bianca Sellnow
Auch Prof. Dr. Ottmar Edenhofer, Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Vorsitzender des Weltklimarats, sieht das eher skeptisch: «Im Augenblick steuern wir einer 5 bis 6 Grad-Welt entgegen». Denn die globalen Emissionen nehmen weiter zu, statt wie geplant zu sinken. Um doch noch das 2-Grad-Ziel erreichen zu können, müsste der CO2-Ausstoss weltweit bis spätestens 2020 sein Maximum erreichen. Danach müssten sich die CO2-Emissionen drastisch reduzieren und noch vor Ende dieses Jahrhunderts auf Null sinken.
Müssen wir denn überhaupt das 2-Grad-Ziel erreichen? Ist eine globale Erderwärmung von fünf oder sechs Grad nicht auch tolerabel? Möglich wäre das schon, so Edenhofer. Je höher die Erderwärmung ausfalle, desto gefährlicher würden jedoch die Klimaveränderungen, die damit einhergehen. Die teilweise sehr extremen Wetterbedingungen würden eine Anpassung deutlich erschweren. «Wenn wir mehr oder weniger die selben Lebensbedingungen haben wollen wie jetzt, müssen wir die Erderwärmung auf 2 Grad Celsius begrenzen», meint auch Fatih Birol. Denn selbst bei Erreichung dieses Ziels würde das nicht bedeuten, dass unser Klima sich nicht verändert. Aber die Folgen seien dann noch beherrschbar.
Das Problem sieht Fatih Birol darin, dass weltweit insgesamt viel zu wenig getan wird, um CO2-Emissionen zu reduzieren. In Europa würden wir zwar schon gute Fortschritte machen und wir müssten diese auch fortsetzen. «Aber was wir alleine tun, ist nicht annähernd genug». Die CO2-Emissionen müssten überall viel stärker sinken. Doch dafür fehle das Verständnis in vielen Staaten.
Text: Bianca Sellnow

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