Containern & Dumpstern: im Müll wühlen für mehr Nachhaltigkeit

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Statt regional einzukaufen entscheiden sich immer mehr Schweizer für regionales Containern oder auch Dumpstern. Dabei suchen sie nach Essbarem in Mülltonnen und Abfallcontainern von Supermärkten. Mit dem Mülltauchen protestieren sie gegen die Nahrungsmittelverschwendung.

Mülltaucher leben von weggeworfenen Lebensmitteln.
Um der Konsumhaltung zu trotzen: Containern. Foto: intst, iStock, Thinkstock

Containern, Dumpstern, Mülltauchen: Dahinter verbirgt sich modernes Jäger- und Sammlerverhalten. Die «Müllsucher» ziehen abends mit Rucksäcken und Kopfleuchten bewaffnet los, durchforsten Abfallcontainer hinter Supermärkten, klauben essbare Lebensmittelsabfälle zusammen und kehren mit der Beute nach Hause. Doch die Freude über den Fund will sich nicht so recht einstellen. Was sich für Verbraucher nach einer Spass- oder Guerillaaktion anhört, ist für Dumpster eine bewusste Entscheidung und Protesthaltung. Damit kritisieren sie das unnötige Wegwerfen von noch geniessbaren Lebensmittelabfällen. Ihre Lebensweise soll eher unkritische Verbraucher wachrütteln und die Auswüchse der Wegwerfgesellschaft zeigen. «Die meisten machen das aus Überzeugung und Systemkritik und nicht weil sie sich keine anderen Lebensmittel leisten können, die sie sich im Supermarkt, in der Filiale, kaufen würden», erklärt Mu aus Wien in einem Youtubevideo.

Containern in der Schweiz

Die Idee des Mülltauchens schwappte von der USA nach Europa - mit Hilfe des Internets. Wer will, kann sich im Netz schnell informieren. Dabei helfen beispielsweise Youtubekanäle wie Foodwaste.tv, Webseiten wie www.fregan.at oder Foren, wo man sich über gute Containerstellplätze und Rezepte austauscht. Ende letzten Jahres gründete sich in der Schweiz eine Anlaufstelle zu Food Waste. Das gleichnamige Projekt möchte die Diskussion über Nahrungsmittelverluste und -verschwendung anregen. Dabei sprechen die Aktivisten insbesondere die Konsumenten an. Sie bestimmen durch ihr Kaufverhalten die Menge an Lebensmittelabfällen mit. Auf Foodwaste.tv erklärt der Psychologe Stefan Grünwald, dass Verbraucher den Kühlschrank wie eine Stimmungsapotheke auffüllen. Um für alle Lebenslagen gerüstet zu sein, wählen sie vielfältige Nahrungsmittel aus, die sie im Kühlschrank horten. Sollte das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten werden, dann käme dies einer Berechtigung gleich, um erneut einzukaufen.

Was unterscheidet Dumpstern vom Mülltauchen?

Beim Dumpstern oder auch Containern werden Mülltonnen und Abfallcontainer nach noch essbaren Lebensmitteln durchsucht. Das Dumpster Diving (Mülltauchen) ist hingegen dazu da, um nach Wertgegenständen in der Tonne zu tauchen. Wenn man ausschliesslich Obst und Gemüse herausfischt, dann wird dies als GeObben bezeichnet. Ist eine zu grosse Menge an Lebensmittelabfällen übrig, gibt es zwei Möglichkeiten für die Dumpster: verschenken oder daraus kostenloses Essen für die Allgemeinheit zu bereiten (Food not bombs).