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«Medienpräsenz ist ein wichtiges Instrument für den Umweltschutz»

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Greenpeace ist keine leise Umweltorganisation. Sie protestiert, wird laut und polarisiert. Deren Aktivisten geraten ihrer drastischen Handlungen wegen auch mal vor Gericht und folglich in die Schlagzeilen. Doch wo bleibt dabei die Nachhaltigkeit? Darüber und über die Dringlichkeit der Energiewende haben wir uns mit Georg Klingler von Greenpeace Schweiz unterhalten.

Georg Klingler von Greenpeace Schweiz.

Georg Klingler leitet bei Greenpeace Schweiz die Kampagnen für erneuerbare Energien. Foto: privat

Georg Klingler ist Umweltwissenschaftler, Ethiker und mit Herzblut im Bereich der Nachhaltigkeit tätig. Als Leiter der Greenpeace-Kampagnen für Erneuerbare Energien informiert er über die Umsetzung einer komplett erneuerbaren Energieversorgung – die seiner Meinung nach nicht nur erfolgen kann, sondern muss. Im Gespräch mit nachhaltigleben erzählt er, weshalb er im Nachhaltigkeitsbereich mehr auf die Schweizer als auf die globale Politik setzt und erklärt, wie er die Aktionen von Greenpeace sieht.

Herr Klingler, Sie sind bei Greenpeace Campaigner für erneuerbare Energien. Was hindert Herr und Frau Schweizer daran, konsequent erneuerbare Energien zu nutzen?

Es gibt mehrere Gründe: Die Dringlichkeit des Umbaus unseres Energiesystems ist vielen schlicht nicht bewusst. Die Klimaerwärmung ist trotz bereits eintretender Schäden im Alltag noch zu wenig spürbar. Zudem ist Energie etwas, das im Hintergrund läuft. Die Hauptsache ist ja für Herrn und Frau Schweizer, dass ein Gerät funktioniert, dass die Wohnung schön warm ist und dass man ein Ziel genügend schnell und bequem erreichen kann. Es ist eine geteilte Verantwortung: Die Politik muss geeignete Rahmenbedingungen setzen, jeder einzelne, sich mehr Gedanken machen. Und vor allem sind die Fachkräfte aus Architektur, Fahrzeugherstellung, Sanitär- und Haustechnik gefordert, auf die vielfältigen Möglichkeiten einer erneuerbaren Energieversorgung aufmerksam zu machen.

Greenpeace wird oft mit Vorwürfen konfrontiert. Zum Beispiel: Greenpeace stellt das Marketing über die Kampagnenarbeit. Medienpräsenz vor Nachhaltigkeit, also. Wie stehen Sie dazu?

Jede unserer Kampagnen verfolgt klar definierte Ziele für den Schutz der Umwelt. Medienpräsenz ist ein wichtiges Instrument in unserem Kampf um Nachhaltigkeit, nicht mehr und nicht weniger. Ebenso brauchen wir viele Unterstützer, die sich als Freiwillige engagieren oder uns ihr Geld anvertrauen, um damit unsere Kampagnen durchführen zu können. Transparenz und Unabhängigkeit sind dabei das A und O. In unserem Jahresbericht kann jeder und jede nachlesen, wie viel Geld in Kampagnen und wie viel ins Fundraising fliesst. Leider wird aber in der Öffentlichkeit häufig nur ein bestimmter Aspekt von Greenpeace wahrgenommen und transportiert. Wir machen ja auch ganz viel «leise» Knochenarbeit: von Lobbying, über jahrelange Recherchen bis hin zu unseren Jugend-Solarprojekten.

Weit über erneuerbare Energien hinaus engagiert sich Greenpeace mit oft kritisierten Methoden gegen Umweltverschmutzung. Stehen Sie als Campaigner hinter jeder Aktion von Greenpeace oder grenzen Sie sich von gewissen Positionen ab?

Klar, unsere Aktionen polarisieren. Gleichzeitig schätzen viele Menschen Greenpeace gerade für seine Hartnäckigkeit und Kompromisslosigkeit. Grundsätzlich stehe ich voll hinter der Philosophie der gewaltfreien, direkten Aktion als letztes Mittel, wenn die legitimen Zielsetzungen nicht anders erreicht werden können. Dabei sind aber unbedingt Regeln einzuhalten. Unsere Aktionen wenden sich gegen umweltschädliche Handlungen von Unternehmen, Branchen oder Systemen und nicht gegen einzelne Menschen. Die Greenpeace-Aktivisten verteidigen bei ihrer Arbeit den Wert der Gewaltfreiheit um jeden Preis, auch wenn sie selbst schon einmal Gewalt vom Gegenüber in Kauf nehmen müssen. Mir ist bewusst, dass die Unterscheidung zwischen Systemen und Einzelpersonen nicht immer so einfach zu machen ist. Das ist eine Gratwanderung, die wir sehr sorgfältig gehen müssen. Für mich würde es da aufhören, wo durch eine Aktion Schaden für Einzelpersonen entsteht. 

Wie hat der Super-GAU in Fukushima die Arbeit bei Greenpeace verändert? Melden sich jetzt mehr Freiwillige?

Uns war wichtig, die Katastrophe nicht für unsere politischen Ziele zu instrumentalisieren. Wir haben explizit dazu aufgerufen, via Hilfsorganisationen die Betroffenen in Japan zu unterstützen. Daher: Nein, wir wurden nicht mit freiwilligen Helfern überrannt. Der gesellschaftliche Wille zum raschen Ausstieg aus der Atomenergie ist aber sicher stärker geworden. Argumente und Fakten, mit denen wir in der öffentlichen Debatte noch vor zwei Jahren nicht landen konnten, werden plötzlich gehört.

Was motiviert Sie, sich für Nachhaltigkeit einzusetzen?

Die wunderschöne Natur, die uns allen eine Lebensgrundlage bietet und vor allem die anderen Mitlebewesen, die unseres Schutzes bedürfen. Vielleicht erscheint es naiv. Aber seit meiner Kindheit glaube ich daran, dass es sich lohnt etwas für die anderen und unsere Umwelt zu tun, ohne direkte «Belohnung» von aussen zu erhalten. Jede einzelne Handlung zählt und ich bin überzeugt, dass es sinnvoller ist, möglichst viel für die Mit- und Umwelt zu tun, als viel zu verdienen oder nur das Beste für sich rauszuholen. Leider ist Letzteres in der Gesellschaft populärer.



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