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Die Augen schnellen wieder zur Uhr. Es ist halb eins mittags und die Kollegen schauen bei jedem erneuten Magenknurren neugierig umher. Die Anzeichen sind klar: Es ist Mittagszeit und der Take-Away-Schuppen um die Ecke wartet schon! Was im Heisshunger leider vergessen geht: Eine schnelle Mahlzeit bedeutet oft auch Unmengen an Plastikabfall. Der junge Berner Verein «refiller» zeigt, dass unterwegs essen auch nachhaltig geht.
refiller kombiniert nachhaltige Ernährung mit Stilbewusstsein. Foto: refiller
Ein frischer Salat, eine Flasche Mineralwasser und vielleicht noch eine süsse Kleinigkeit für Zwischendurch – was auf dem ersten Blick nach einem ausgeglichenen Lunch tönt, ist auf dem zweiten nicht ganz harmlos. Der Salat vom Grossverteiler wird in einer Plastikschale verkauft, dazu kommt eine Plastikgabel und eine in Plastik verpackte Papierserviette. Die PET-Flasche enthält ein Getränk, das frisch aus dem Wasserhahn kommen könnte. Die Plastikfolie, die den Schokoriegel umhüllt, wandert nach wenigen herzhaften Bissen in den Abfalleimer. Innert kürzester Zeit verwandelt sich das wohlverdiente Mittagessen in einen Plastikberg. In Bern wurde kürzlich ein Verein gegründet, der sich gegen die hartnäckige Wegwerfgesellschaft wehren möchte und praktische Lösungen als Gegenpol zum Einweg-Verpackungsmaterial bietet.
«refiller» heisst die Bewegung, die derzeit in Bern für Aufsehen sorgt. Das Team besteht aus sechs innovativen Absolventen von verschiedenen Studienrichtungen aus verschiedenen Städten, die sich mit einem nachhaltigen Lifestyle identifizieren. «Das Ziel ist es, die Gesellschaft zu sensibilisieren, ihren Konsum zu überdenken und Abfall zu vermeiden, bevor er entsteht», schreiben die Gründer auf ihrem Web-Auftritt und erwähnen den Begriff «precycling» - wiederverwenden ist sinnvoller als wiederverwerten.
Innerhalb kürzester Zeit – der Verein wurde offiziell im Mai vergangenen Jahres gegründet – konnten sich die jungen Berner die finanzielle Unterstützung des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSv) sichern. Sie gingen ausserdem Partnerschaften mit der internationalen Jugendprojekt-Plattform euforia ein und nisten sich einmal wöchentlich zur Mittagszeit im Zürcher Lokal «Jenseits im Viadukt» zum Vernetzen der «refiller» ein. In der Gründungsstätte Bern gibt es bereits zwei Take Away Geschäfte, welche nicht nur das «refillen» gut heissen, sondern dafür auch besondere Rabatte vorsehen. Auf der Homepage von «refiller» werden Gastronomen aufgefordert, sich mit ihrem Betrieb der Mehrweg-Bewegung anzuschliessen.
Auch für die nahe Zukunft haben die Gründer von «refiller» vorbildlich nachhaltige Ideen. Anlässlich der schönen Jahreszeit sind urbane Wanderungen und «No-Waste Picknicks» im Freien geplant. Während auf diese Weise die Community gestärkt wird, setzen die «refiller» einen weiteren Schwerpunkt auf die Bildung. An Schulen werden kostenlose halbtägige Info-Veranstaltungen zum Thema Abfall und Recycling veranstaltet.
Wer sich mit dem «refiller»-Fieber anstecken lässt, dem fehlt womöglich aber noch die passende Ausrüstung. Das sollte aber, so sehen es die jungen Gründer von «refiller», keineswegs ein Hindernis sein. In Zusammenarbeit mit dem Online-Shop für nachhaltige Produkte rrrevolve.ch verkaufen sie nämlich ausgesuchte Objekte zum Wiederverwenden. Ob mit der formschönen Eco Trinkflasche, der praktischen Lunch-Box oder mit dem auf morgendliche Sprints an die Busstation geprüften Kaffeebecher: unterwegs essen wird mit «refiller» mindestens so stilvoll wie nachhaltig.
refiller im Netz: refiller.ch
Text: Sabrina Stallone - Februar 2012

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