Energiewende: Schutz von Mensch, Umwelt und Landschaft

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An dem von Greenpeace organisierten Workshop wurde eine Methode zum Vergleich der verschiedenen Stromproduktionsarten vorgestellt, angewendet und kritisch diskutiert. Die Kriterien für den Vergleich umfassen globale und lokale Auswirkungen auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft.

Der von Greenpeace organisierte Workshop behandeltet das Thema Energiewende.
Der von Greenpeace organisierte Workshop behandeltet das Thema Energiewende. Foto: © Digital Vision. / Photodisc / Thinkstock

Nachfolgend die wichtigsten Resultate aus Sicht der Organisatoren

  • Wenn einzelne Ausbau-Projekte nicht generell an der «Not in my Backyard» Problematik scheitern sollen, ist es wichtig, dass ergänzend zur Einzelprojektbeurteilung deutlich gemacht wird, welchen Gesamtnutzen Projekte für den Ausbau der erneuerbaren Energien mit sich bringen.
  • Gemeinden, welche vor einem Planungs- oder Ausbauentscheid stehen, können und sollen die Optik des Einzelfalls mit einem umfassenden Vergleich, zum Beispiel nach Art des vorgestellten Kriteriensets, erweitern. Auf eine nicht begründete Auswahl von Einzelkriterien wie z.B. Kosten, Landschafts- oder Klimaschutz ist zu verzichten, da mit der Auswahl das Ergebnis vorbestimmt werden kann.
  • Für die faire Beurteilung von Energieprojekten sollte in der Bevölkerung ein Bezug zum Energiethema vorhanden sein. Eine Bewertung anhand der vorgestellten Kriterien kann dazu beitragen, dass dieser Bezug gebildet wird.
  • Die Argumente hinter den einzelnen Nutzwerten sind wichtiger als die Nutzwerte an sich. Das heisst ein umfassender Vergleich von Stromproduktionsarten darf nicht auf ein simples Vergleichen von Nummern reduziert werden. Das vorgeschlagene Kriterienset bildet eine gute Grundlage für die Erarbeitung und Offenlegung der zentralen Argumente.
  • Neben der allgemein vergleichenden Betrachtung sollten die kritischen Kriterien je Stromproduktionsart benannt werden. Ein alleiniger Vergleich von Stromproduktionsarten anhand der Aufsummierung von Nutzwerten ist problematisch, weil mit der Summierung eine allgemeine Nivellierung stattfindet und wichtige Aspekte verloren gehen können.
  • Der vorgeschlagene kriterienbasierte Vergleich der Stromproduktionsarten kann und soll den Einzelfallentscheid nicht vorwegnehmen. Im konkreten Fall sind jeweils spezifische Kriterien massgebend. Diese müssen in vertieften Verfahren geprüft werden (z.B. Umweltverträglichkeitsprüfung, Lärmschutzeinhaltung, Wirtschaftlichkeit am konkreten Standort etc.). Um im Einzelfall aber abwägen zu können, welche Eingriffstiefe bzw. Folgen akzeptabel sind, sollte die spezifischen Betrachtungen um die kriterienbasierte globale Sicht erweitert werden.

Kriterien und Vorschläge für Vereinfachungen

Zum Kriterienset haben die TeilnehmerInnen sowohl Voten für die Erweiterung mit neuen Kriterien als auch Vorschläge für Vereinfachungen abgegeben

  • Ein umfassender Vergleich sollte neben der Energieproduktion auch die Energieeffizienz bewerten. Wird die Effizienz, wie von den Organisatoren vorgeschlagen, als erste Priorität definiert, dann aber nicht in der vergleichenden Diskussion berücksichtigt, droht sie vergessen zu gehen.
  • Erweiterungen: Mehrfach wurde erwähnt, dass das Potenzial zur zukünftigen Minimierung von negativen Auswirkungen je Nachhaltigkeitsbereich als Kriterien aufgenommen werden sollten. Ebenso wurde erwähnt, dass man die Verfügbarkeit oder Steuerbarkeit der jeweiligen Stromproduktion als wirtschaftliches Kriterium aufnehmen sollte. Die Bewertungskriterien könnten für die drei Nachhaltigkeitsbereiche um eine Risikobetrachtung ergänzt werden: Welches Risiko besteht für die Gemeinde, wenn der Ausbau der entsprechenden Technologie vorangetrieben wird?
  • Vereinfachungen: Es wurde vorgeschlagen, dass ein regionales Wirtschaftskriterium und ein Kriterium zur Abfallproblematik genügt (statt deren zwei), dass der Primärenergieverbrauch sowie die Bodennutzung als Einzelkriterien gestrichen werden können (deren Auswirkungen sind über andere Kriterien abgedeckt und ein Übergewicht der Umweltseite ist zu vermeiden) und dass die Auswirkungen auf seltene Arten besser mit Auswirkungen auf die Biodiversität umschrieben werden sollten.
  • Eine Bewertung anhand von wohlüberlegten und gemeinsam definierten Einzelkriterien ist für die Diskussion der Vor- und Nachteile einzelner Stromproduktionsarten wertvoller als eine Bewertung mit aggregierenden Methoden, wie z.B. anhand der Methode der ökologischen Knappheit oder der externen Kosten. Solche Methoden können aber für einen Vergleich der Resultate der Einzelkriterien hilfreich sein.
  • Am Workshop wurde bestätigt, dass eine Gruppe von Nicht-Experten anhand des vorgelegten Kriteriensets innerhalb von kurzer Zeit eine vertiefte Diskussionen zu den Vor- und Nachteilen der verschiedenen Stromproduktionsarten führen kann. In der kurzen Diskussion mit Spontanbewertung wurde die von den Workshoporganisatoren abgegebene «Experten»-Bewertung, in der die erneuerbaren Energien durchwegs besser abschneiden als die konventionellen, bestätigt.
  • Für eine konkrete Anwendung des Kriteriensets sollten die zu bewertenden Technologien exakt spezifiziert werden.
  • Einige TeilnehmerInnen haben auch angeregt, dass auch die Potenziale der Energieeffizienz und der verschiedenen Energieträger im Vorfeld einer Bewertung diskutiert werden sollten.

Die Organisatoren danken den Teilnehmenden für das grosse Interesse und die engagierte Mitarbeit! Für weitere Fragen und Anregungen:

georg.klingler@greenpeace.org

Die komplette Übersicht zu dem Workshop, sowie die dort verteilten Unterlagen finden Sie hier.

Quelle: © NATUR